Konzertbericht:
Converge, Kylesa, Gaza und Kvelertak in der Arena Wien am 12.08.2010
Converge steht wie keine andere Band für zügellose, musikalische Aggression frei von jedem Pathos und aufgesetzter Wut. Alben wie "Jane Doe", "You Fail Me" und "No Heroes" haben die Spielart modernen Hardcores durch die Hinzunahme von Elementen des Metals und Grindcores maßgeblich beeinflusst. Während viele Szenegrößen es sich nur allzu bequem im Korsett der immergleichen Breakdowns und Sing-A- Longs machten gelang es Converge sich auf ihrem neuen Album "Axe to Fall" den einfacheren Spielarten des Metals anzunähern, dabei aber versierter und reifer als je zuvor zu klingen. Die Freude war demnach groß als die Band im Frühjahr ihre Pläne einer europaweiten Tournee verkündeten.
Reiner Kapeller und Tobias Wark waren für das Denkfabrikat vor Ort. Als Schreiber, in erster Linie aber als Fans einer der großartigsten Bands des Genres.
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Den Auftakt machten Kvelertak aus Norwegen, die sich mit ihrer bierseeligen Interpretation von Schweinerock gepaart mit Black Metal und nordischer Folklore zumindest bei der Ottakringer Fraktion in den ersten Reihen einige Freunde machten.
Mit Gaza stand nun die eigentliche Überraschung des Abends in Haus. Die aus Utah stammende Band schaffte es eine derart hypnotischen und brutalen Klang zu kreieren, der einen trotz seiner vetrackten Spielweise nicht mehr los lies. Schleppende, doomlastige Gitarren paarten sich mit hektischem Schlagzeug und dem tiefen, markerschütternden Lauten des Sängers. Die Intensität der Musik steigerte sich zunehmend und gipfelte in einer wahrhaftigen Noise Orgie am Ende des Auftritts inklusive fliegender Gitarre. Zurück blieben vier völlig erschöpfte Musiker und halboffene Münder im Publikum. Beeindruckend.
Gaza - How it is, How it is going to be
Während bei Gaza auf Grund ihres (noch) Untergrundstatus den Überraschungseffekt auf ihrer Seite hatten, wurde der Auftritt von Kylesa an der Live Umsetzung ihrer vier Studioalben gemessen. Rein optisch hob sich die Band alleine schon vom Einsatz zweier Schlagzeuger vom Rest des Trosses ab. Auf CD gepresst mag man das doppelte Schlagwerk fast kaum vernehmen, live aber wirkt das Zusammenspiel sehr druckvoll und durchbricht das oftmals psychedelische Gitarrenspiel im rechten Augenblick. Kylesa beweisen live, dass sie zurecht mit Bands wie Baroness und Mastodon zur Speerspitze einer Musikgattung gehören, die sich ihre Inspirationen bei Bands des klassischen Heavy Metal ebenso wie bei Converge holen.
Eine letzte kurze Umbaupause folgt. Viele eilen an die frische Luft und verpassen das kurze verzerrte Spiel der Gitarre gefolgt von dem ungeraden Takt des Schlagzeugs. Der Moshpit öffnet sich und Converges "Concubine" pflügt über das Publikum hinweg. Kein Intro, keine Ansage. Was in der Albumversion wie die Vertonung eines Blutrausches klingt, entwickelt sich live zum rasenden Wahn. Nach einer Minute und zwanzig Sekunden endet das Lied und "Dark Horse", der Opener des aktuellen Albums ertönt. Das Schlagzeug drischt unbarmherzig nach Vorne, die Gitarre setzt ein und die Umwelt verkommt zu einem Knäuel aus Fäusten und fliegenden Beinen. Sänger Jacob Bannon schnappt sich immer wieder Fans aus der ersten Reihe und schreit ihnen die Textzeilen ins Gesicht. Hier geht es nicht um musikalische Perfektion oder ausgeklügelte Bühnenshows. Converge lebt von der Authentizität die ihr Frontmann verkörpert. Wie ein vom Teufel Getriebener hetzt er über die Bühne und leitet mit hektischen Gesten und Handbewegungen, Bass-, Schlagzeug- und Gitarreneinsätze ein.
Converge - Concubine
Mitten in "Homewrecker" stürmen die Norweger von Kvelertak nackt die Bühne und geben der unglaublichen Intensität des Converge Auftritts für einen Moment eine ironische Note. Die Band, davon völlig unbeirrt, prügelt weiter durch ihr Set, lässt dabei aber auch Raum für eine langsamere Nummern ("Worms Will Feed/Rats Will Feast"). Am Ende dieser knappen Stunde haben Converge 18 Songs gespielt. Ein heiserer Jacob Bannon äußert aufrichtigen Dank, schüttelt Hände und verlässt völlig erschöpft die Bühne. Converge machen seit 20 Jahren Musik. Auf ihre Art.
von Tobias Wark
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Veröffentlicht vor 41 Jahren