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Teenstar ist ein Programm, das Anfang der 80er (!!) Jahre von einer Gynäkologin entwickelt wurde um jungen Menschen Fragen über Freundschaft, Liebe, Fruchtbarkeit und Sexualität zu beantworten. LehrerInnen aber auch Privatpersonen können mittels Seminar zum zertifizierten teenstar Referenten werden. In Zeiten, wo Jugendliche immer früher miteinander schlafen und Kondome scheinbar wieder als Wasserbomben missbraucht werden keine schlechte Idee? Könnte man meinen, würden die Inhalte nicht scheinbar frisch aus Pleasentville stammen.
 Foto: Mags/flickr
Meine Schwester besucht die dritte Klasse eines humanistischen Privatgymnasiums, was aber nichts zur Sache tut, denn teenstar wird in verschiedenen Ländern und an den unterschiedlichsten Schulen "gelehrt". Vor kurzem zeigte sie mir einige Unterrichtsblätter aus der Lehrveranstaltung, die einmal im Monat von den Sportlehrern abgehalten wird - zum Teil nach Geschlechtern getrennt, zum Teil miteinander. Neben Klassikern wie "Was mag ich an meinem Körper" und (veralteten) Tipps zur Monatshygiene finden sich 4 Arbeitsblätter, die mich zuerst stutzig machten, dann allmählich schwer verärgerten. :
Was ist cool am Burschsein? Abentuerlust, Grenzen ausloten, zu seinem Wort stehen, sich Herausforderungen stellen, von Mädels bewundert werden, sportlich sein, schmutzig und unordentlich sein dürfen, kreative Lösungen finden, brauchen keine große Verantwortung tragen, unabhängig sein, nach dem Charakter beurteilt werden, sich beweisen können, für Leistung belohnt werden, Freunde haben, mit denen man durch dick und dünn gehen kann, für Ehrlichkeit und Geradlinigkeit geschätzt werden, eine eigene Meinung haben und dazu stehen, die einfallsreichsten Ideen haben, Verantwortung übernehmen, sich mit anderen messen können, gebraucht werden, Freunde haben, auf die man sich verlassen kann, von anderen für seinen Erfolg beneidet werden, zielgerichtet sein, für Leistung bewundert werden, den Durchblick haben, sich bewusst machen, Vater werden zu können. Das weibliche Pendant dazu:
Was ist wertvoll am Mädchen-Sein? Schicke Kleidung tragen, Hosen und Kleider/Röcke tragen dürfen, sich hübsch machen, sich schön empfinden, sich schminken, die Haare herrichten, Schmuck tragen, shoppen gehen, keine schweren Arbeiten verrichten müssen, tierlieb sein (Pferde), Gefühle zeigen können, sich nicht beweisen müssen, Tagebuch schreiben, träumen, künstlerisch begabt sein, die Umgebung geschmackvoll gestalten, Tee kochen und ratschen, gerne mit anderen sprechen, fürsorglich und einfühlsam sein, eine beste Freundin haben, viele Freundinnen haben, Geheimnisse austauschen, mit Freundinnen über Jungs sprechen, telefonieren, mehr beachtet werden, Papas Liebling sein, den Jungs etwas voraus sein, tanzen gehen, sich in Jungs verlieben, bewundert und umworben werden, fleißiger sein und bessere Noten haben, einmal Kinder bekommen können.
Burschen/Männer Eigenschaften und Verhaltensweisen Männer arbeiten gerne für Sachen (Mechaniker, Ingenieur), Männer haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen (können z.B. eine Straßenkarte leichter lesen), Jungen kämpfen oft miteinander, messen ihre Kräfte, sie können sich besser durchsetzen, sie können kurzfristige Höchstleistungen bringen (z.B. im Sport), Männer sind oft technisch begabt (wollen wissen, wie die Dinge funktionieren), Männer wollen gerne erfolgreich sein, z.B. im Beruf, Jungen können ihre Gefühle besser kontrollieren(weinen seltener), sie reden meist über sachliche Themen (Politik, Sport), Freiheit und Unabhängigkeit sind für sie wichtig, zu enge menschliche Nähe wünschen sie oft nicht, sie können den zeitlichen Ablauf einer Handlung gut planen (z.B. eine Diskussion leiten)
Mädchen/Frauen Eigenschaften und Verhaltensweisen Mädchen sind gerne liebevoll und zärtlich, sie können ihre Gefühle zeigen, sie machen viel zusammen, sie haben einen besonderen Sinn für das Schöne (sowohl bei Mode, Schmuck, Kosmetik, als auch bei der Gestaltung des Zimmers, der Wohnung oder der Schulhefte), Mädchen geben sich oftmals schüchtern und ängstlich, Frauen können intuitiv handeln, d.h. sie spüren Dinge, bevor sie ausgesprochen sind (z.B. wie es einem Menschen geht) Mädchen reden gerne miteinander, das Sprachzentrum ist bei Mädchen stärker ausgeprägt, Frauen reden vor allem über Beziehungen zu anderen Menschen, Geborgenheit ist sehr wichtig, Mädchen nehmen mehrere Eindrücke gleichzeitig auf (zehnmal berührungsempfindlichere Haut, stärkeres Sehvermögen, können gleichzeitige Töne besser auseinanderhalten), Frauen sind durchhaltefähiger und für langfristige Leistung geschaffen (Schwangerschaft, Geburt), die beste Freundin ist sehr wichtig), Frauen arbeiten lieber für Personen (Krankenschwestern, Erzieherinnen usw.)
WTF?! Wir leben 2010 und nicht 1950! Heute wird an vielen Fronten für die Gleichstellung der Frau in Beruf und Alltag gekämpft, doch noch immer existiert eine Einkommensschere, und die Frau ist nach wie vor in vieler Augen das schwache Geschlecht. Man verstehe mich hier bitte nicht falsch-ich bin keine Hardcore Feministin, ich glaube sehr wohl, dass es bestimmte Grundzüge der Geschlechter gibt- allerdings ist keines schlechter oder besser zu bewerten und man sollte gerade im Bildungsbereich Mädchen das gleiche Selbstbewusstsein vermitteln wie Jungen. Was aber hier den Kindern und damit den Entscheidungsträgern und Meinungsführern der Zukunft vermittelt wird, ist ein Rollenbild, das aus den 60ern stammt. Das Besondere am Mädchen sein, ist sich die Haare flechten zu können, nicht schwer Arbeiten zu müssen und sich nicht beweisen müssen!? Frauen reden vor allem über Beziehungen zu anderen Menschen und arbeiten lieber für Personen!? Genau so wird den Jungen ein Bild des prügelnden Vollblutmechanikers vermittelt, der keine Gefühle zeigen kann. Es ist mir unbegreiflich, wie man Kindern guten Gewissens so etwas vermitteln kann. Ich geh mir dann mal die Haare kämmen, damit ich hübsch zum Tee kochen und ratschen über Jungs bin... ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Das Wiener Museumsquartier verklagt Helmut Seethaler wegen schwerer Sachbeschädigung auf mindestens 3900 Euro Schadensersatz. Der Zettelpoet hatte einige der Gehsteigplatten vor dem MQ mit einem Stift beschrieben, die meisten seiner Zeilen sind längst verwittert, der Rest geht nach Seethalers Aussage mit Schwamm und Billigreiniger weg. Das MQ , seines Zeichens Stätte für Kunst und Kultur, will aber nun die Gehsteigplatten austauschen lassen und Seethaler wird am 18.2. ins Gericht zitiert. Da er die Strafe unmöglich bezahlen kann, droht ihm ein Jahr Haft.  Ist es vorstellbar, dass das Wiener Landesgericht Helmuth Seethaler für ein Jahr ins Gefängnis wirft, weil er GEDICHTE schreibt?! In vielen europäischen Städten ist er ein mehr als gern gesehener Gast und man nimmt seine Gedichte als Kunst wahr. In Österreich will man die Wahrheit nicht hören und gibt sich kleinkariert und pedantisch. Und damit zerstört man einen Mann, der nichts weiter will, als die Menschen mit seinen Gedichten zu erfreuen, sie zum nachdenken zu bringen und weiterzu(k)leben. Herr Seethaler ist am Ende und drückt das zumindest schriftlich so aus:
Oeffentliche stellungnahme (mittels 1000er mails,faxe und in ganz wien angeklebter zettel)zu meiner 3.500. ANZEIGE wegen gedichte im oeffentlichem raum:
Da verklagt mich die groesste kulturstaette oesterreichs (die 7.groesste der welt)
Weil ich wagte apaar meiner gedichte auf den gehsteig VORM museums-quartier zu schreiben:
Wegen schwerer sachbeschaedigung. (3.900 euro: wegen AUSWECHSLUNG des GEHSTEIGS!!)
Die gedichte sind laengst verwittert u.waeren mit einfachsten putzmittel in 5 minuten restlos abwischbar!
Die hoch subventionierte gross-kulturstaette vernichtet einen kleinen, mittellosen, aber beruehmt-beruechtigten Dichter, der seit 35 jahren ueberall im sprachraum seine texte plakatiert und mit stiften auf baustellenwaende schreibt.
Bisher gab es nur wenige Verurteilungen.
Nun droht 1 jahr gefaengnis!
Es ist die schwerste anklage meines lebens und ich habe angst.
Es trifft mich in einer zeit,
In der ich taeglich ums weiter(k)leben kaempfe:
Ich hab nichts mehr. Nichts fuer essen. Nichts fuer klebebaender. Nichts fuer kopien meiner neuen gedichte. Die letzten euros gab ich aus fuer dieses flugblatt.
Nun bin ich am ende und erwarte tief traurig,gebrochen und gedemuetigt meine verurteilung am
Do.den 18.2.2010
Um 11 uhr
Im landesgericht Wien 8
Wickenburggasse 22
Saal 101/1.st
Wenn wer will, dass es mich und meine Gedichte weiter gibt:
PSK 7 975 059
Blz 60 000
helmut seethaler
A 1200 wien
Wasnergasse 43/8
Tel 330 37 01
www.hoffnung.at
hseethaler@gmx.at
Ich denke, dem ist nichts mehr hinzuzufügen - Ich jedenfalls hoffe auf einen Freispruch - ich müsste mich sonst einmal mehr für unser Land schämen. ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Auf der Rückseite des Briefes ein kleiner Stempel mit einer Telefonnummer und einer Internetadresse: www.hoffnung.at. Der Zettelpoet hat wieder einen Brief geschickt. Nachdem ein Artikel auf dem Denkfabrikat über Helmut Seethaler viel Resonanz hervorrief, haben wir Kontakt zu dem Künstler aufgenommen und hin und wieder bekomme ich nun Post von ihm. Neben Kopien von Gerichtsurteilen und seiner Monatsschrift finden sich auch Pflückgedichte in dem Umschlag.
Wer sich anpaßt
paßt auf
ob sich andere auch anpassen
je angepaßter
umso aufmerksamer
daß niemand
der anpassung entkommt
Warum dieser Mann trotz den vielen Felsbrocken, die ihm in den Weg gelegt werden immer noch weitermacht ist mir ein Rätsel und ich kann das nur bewundern. Es kommt vor, dass Menschen ihn beschimpfen, er solle doch endlich mit dem Mist aufhören, ER SOLL ENDLICH AUFHÖREN DIE WAHRHEIT ZU SAGEN. Tatsächlich gibt es auch Passanten, die Seethaler daran hindern, seine Zettel zu kleben - so zu lesen in einer Kopie eines Gerichtsurteils, dass mir von Seethaler zugeschickt wurde. Auch in diesem Urteil:
"Der Beschuldigte hat in sachbeschädigender Weise Gedichte bzw. Schriften angebracht. Die allgemeine Mehrheit der Bevölkerung ist der Ansicht, dass dieses Verhalten nicht rechtens ist. Es wird als störend empfunden."
Worauf beruht diese Annahme? Auf vereinzelten Aussagen kleinkarierter, opportunistischer Wiener die nicht über den eigenen Tellerrand blicken können oder wollen?
Ich denke, es gibt viele Menschen (auch in Wien), die Helmut Seethalers Kunst schätzen und seine Pflückgedichte als Anregung nehmen um über ihr und unser aller Leben nachzudenken. Ich gehöre zu diesen Menschen.
Unterstützt auch ihr Helmut Seethaler, spendet oder zeigt, dass ihr seine Kunst schätzt um zu beweisen, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich nicht daran stört! Das geht mittlerweile recht einfach über Facebook und Twitter.
Jeder braucht irgendeinen Halt um weiterzumachen und ganz besonders dieser Mensch hat diesen Halt und unsere Anerkennung verdient.
es drängen immer mehr hinein
zu den vollen regalen
und wir drängen sie
immer mehr hinaus
wir haben genug
um denen
die nichts haben
etwas zu geben
doch wir wollen
alles selber
und wenn wir es
nicht brauchen
so brauchen wir
das gefühl
es zu haben
In diesem Sinne FROHE WEIHNACHTEN allen Denkfabrikat Lesern! ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Jetzt aktuell! Spät aber doch klinkt sich Das Denkfabrikat in die Diskussion und Berichterstattung über die Besetzung des Audimax Wien und die daraus resultierenden österreichweiten Studentenproteste ein. Michaela Pichler und Reiner Kapeller fanden sich zu Mittag im Audimax ein und versuchen im Folgenden ihre Eindrücke zu schildern.
Fotos von Dominik Gubi
Livestream aus der Universität Wien
Michaela: Zu Beginn der Besetzung des Audimax der Universität Wien war ich mehr als unsicher, was ich von der Aktion halten soll. Mittlerweile habe ich mich schon mehrmals unters Besetzervolk gemischt, mich mit der Berichterstattung und den verschiedenen Meinungen rund um #unibrennt beschäftigt und obwohl ich auch Kritkpunkte habe, finde ich im Großen und Ganzen, dass es höchste Zeit war. Auch Kritiker der Aktion befürworten prinzipiell Forderungen die gestellt werden, sprechen sich aber gegen die Art und Weise des Protestes aus, da der Studienbetrieb im Audimax nicht fortgesetzt werden kann. Was genau durch diese Protestaktion erreicht wird ist noch nicht absehbar, aber ist nicht schon der Diskurs der nun endlich eingesetzt hat die Unannehmlichkeiten wert?
Das Denkfabrikat im Arkadenhof (Foto: Stefan Meier)
In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die Uni als Location für eine ausgelassene Party genutzt – was in den nächsten Tagen auf allen Ebenen heftig diskutiert wurde. Das Denkfabrikat feierte mit und die Dj´s Pfefferminz und Gru (Das Denkfabrikat) verwandelten mit einer Menge anderer Dj´s den Arkadenhof in einen Dancefloor. Zu betonen ist, dass alle Beteiligten sehr darauf bedacht waren, keine Sachschäden zu verursachen. Leider gibt es immer schwarze Schafe, die ihre Finger nicht von der Spraydose lassen können. Der Problematik wurde von den Besetzern auch umgehend entgegengewirkt, Putztrupps organisierten sich, Graffitis wurden soweit als möglich entfernt, sogar Spenden für die externen Reinigungskräfte der Uni Wien wurden gesammelt. Man kann den Besetzern also keinesfalls vorwerfen, unorganisiert oder gar bloß betrunkene Linkslinke zu sein. Die Frage ob es Party geben soll beantworte ich eindeutig mit ja, solange der Rest der Zeit genutzt wird um zu arbeiten-und das ist ja völlig gegeben. Menschen die behaupten die Besetzer würden nur Bier trinken und rauchen muss ich eine klare Abfuhr erteilen. Es ist jetzt fast 15 Uhr und ich sehe keine einzige Bierdose, keine Zigarette sondern Vorträge und Diskussionen. Dass man zwischendurch mal etwas abschalten und feiern muss, finde ich nur logisch. Dass diese Besetzung die völlig spontan und unorganisiert begann nun einen derartigen Erfolg verbucht ist Grund genug zu feiern.
Foto: Dominik Gubi
Völlig klar ist, dass eine Aktion wie diese eine höchst kontroverse Diskussion auslöst – und das ist gut so. Ohne Diskussion, ohne Kritik kein Fortschritt. Trotz einer überraschend guten Organisation tun sich natürlich Probleme auf. In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des Pressezentrums wurde uns bestätigt, dass jegliche Arbeiten absolut basisdemokratisch ablaufen sollen. An und für sich eine gute Sache, ob derartiger Idealismus den Informationsfluss nach außen fördert ist allerdings fraglich, denn keiner fühlt sich wirklich zuständig alle Presseaktivitäten zu vereinen und nach außen zu vertreten. So wanderte ein ORF-Mitarbeiter durchs Audimax um einzelne Meinungen zu sammeln, da er im Pressezentrum vergeblich nach einer Ansprechperson gesucht hat. Meiner Meinung nach widerspricht es keiner Demokratie, wenn es eine Person gibt die einfach alle Aktivitäten und Meinungen nach außen repräsentiert. Die Konzentration auf neue Medien wie Facebook, Twitter etc. – so effizient und breitenwirksam sie auch sind- erreicht eben größtenteils nur junge Menschen. Solange sich niemand eingehend mit der Presse beschäftigt, trägt diese natürlich nur Informationen nach außen, die sie eigenständig findet und vielen Menschen bleiben die eigentlichen Anliegen verborgen. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle allerdings die Berichterstattung auf derstandard.at.
Foto: Dominik Gubi
Überwiegend ist aber die erstaunliche Entwicklung der letzten Tage, die eine Organisationsstruktur hervorgebracht hat, die quasi von Stunde zu Stunde immer effizienter und strukturierter vorgeht bewundernswert.
Reiner: Die Struktur der Studentenbewegung ist sehr verzweigt. Derzeit tummeln sich rund um die Uni 78 Arbeitsgruppen die Forderungen formulieren. Eine beachtliche Zahl, die viele Interessen und Teilbereiche zu vereinen versucht, auf den ersten Blick jedoch unüberschaubar wirkt. Sie ist nicht kompatibel mit kurzen Medienberichten und nur schwer als Ganzes fassbar. Sie ist nicht reduzierbar auf eine Person, eine Aussage oder eine Aktion.
Mehrfach wurde in den letzten Tagen vorgeworfen, dass es keine zentrale Stimme gäbe und die Bewegung daher bald abebben würde. Nun ist es richtig, dass es keinen Vorsteher gibt, dass es sich um eine spontane Aktion der Studenten hält. Dieser Bewegung aber als orientierungslos abzustempeln und zu sagen, es fehle ihr an Organisation ist schlichtweg falsch und zeugt nur vielmehr von der Unfähigkeit der Medien sich auf veränderte Umstände einzustellen.
Foto: Dominik Gubi
Die Unzufriedenheit mit den derzeitigen Bedingungen führte zu den Protesten, die noch immer auf Gehör aus der Politik warten. Die Anliegen werden solange ausgearbeitet und konkretisiert und sind manchmal auch erst dabei, eine Form zu finden. Dass nicht unbedingt eine Person vorsteht und das Gesicht des Protestes mimt, lässt einen zerstreuten ersten Eindruck und eine verzerrte Wahrnehmung entstehen. In Wirklichkeit ist die Zusammenarbeit aber sehr eng miteinander verbunden und darum bemüht Interessen zu vereinen.
Jeder Tag führt zu neuen Aufgabenbereichen, Diskussionen werden vielseitiger und neue Herausforderungen müssen verhandelt werden. Ein Vorteil der Bewegung ist die Unabhängigkeit. Die auf den ersten Blick kopflos orientierten Studenten vernetzen sich gemeinsam und sind ständig über weitere Entwicklungen informiert. Daraus kann eine sehr flexible und vor allem zähe Bewegung entstehen. Ein Einwurf aus dem Podium zeigt selbstbewusste Studenten. Auch wenn es zu einer Räumung kommt, kann das Audimax auch zukünftig immer wieder besetzt werden, spontan und gut organisiert. Auch wenn es ein angestrengter Vergleich ist, die Aktionen der Studenten erinnern entfernt an Guerillataktiken, die ein System blockieren können. Nach und nach sympathisieren sich somit Gruppen in ganz Österreich.
Foto: Dominik Gubi
Die nächsten Tage werden über die Zukunft der Bewegung entscheiden. Johannes Hahn weigert sich bis jetzt in Gespräche mit den Studenten im Audimax zu treten. Ansprechpartner ist für Hahn noch immer die ÖH und es entsteht der Verdacht, dass diese Taktik des Abwartens die Studentenbewegung schwächen soll. Auf die Einladung der Studenten an den Wissenschaftsminister ist aktuell noch keine Antwort des Ministers zu hören.
Wahrscheinlich spielt Hahn mit seiner Verzögerung auf Zeit, und spekuliert auf ein sich selbst ausblutende Protestbewegung. Genau darin, im Warten liegt aber auch der Fehler dieser bei früheren Bewegungen erfolgreichen Taktik. Denn wie es aussieht, machen die Studenten täglich mehr auf ihre Anliegen aufmerksam und sind von ihren Vorhaben sehr überzeugt. Das Verharren der Politik ist ihr Antrieb.
Links zum Thema:
Forderungskatalog der Besetzer
Offizielle Homepage: unsereuni.at
Fotos von Dominik Gubi ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Es geschah im Sommer 2009, dass sich zwei Denkfabrikatler aufmachten um den Ursprung des Denkfabrikats zu erkunden - Vorarlberg, Geburtsbundesland von Stefan und Reiner. Von romantischen Spaziergängen in der wunderschönen Kleinstadt Feldkirch, über ausgelassenes Feiern beim poolbar-Festival bis zu kräfteraubenden Bergwanderungen war für uns alles dabei was das (Land)Herz begehrt.
Nach einer zermürbenden siebenstündigen Zugfahrt quer durch nahezu ganz Österreich raus aus der klimatisierten Zugluft und rein in die frische Landluft.
Blick vom Zug aus auf wunderschöne Lichtspiele
Stefan erwartete uns barfuß und der erste Satz nach der Begrüßung lautete: Brauchts goa net glaum, dass i jetz normal mit eich red! Die Sprachbarrieren waren überraschenderweise aber nach dem ersten Abend mit waschechten Vorarlbergern schnell beseitigt und der angeregten Konversation entsprangen einige Lieblingssätze und neue Wörter bereicherten unseren Sprachschatz:
Do war i ghörig zua!
Du hosch jo net alle Küah uf da Bünt!
Woasch wia i moan?
Und endlich hab auch ich (Flachländlerin, wie ich liebevoll bezeichnet wurde) die Bedeutung und Verwendung des Wörtchens gsi durchschaut.
Nachdem Stefan ghörig uftischt hat, fielen wir schön angeheitert ins Bett um am nächsten Tag vom Duft frischer, selbstgemachter Käspätzle geweckt zu werden. Köstlich-ein Kompliment an die Köchin (Stefans Mama)! Nachdem wir unseren Mägen eine angemessene Verdauungszeit gegönnt hatten, nahmen wir den Bus von Göfis nach Feldkirch. Die Stadt hat mich auf Anhieb verzaubert (ja ein klein wenig Kitsch muss sein). Enge Gassen münden in großzügige, gepflegte Fußgängerzonen, die von gemütlichen Café´s gesäumt sind, die Menschen sind so freundlich wie das Bild der Stadt selbst. Nicht zu vergessen: Feldkirch ist die Heimat des weltbesten Kebaps, allein deswegen würde ich die siebenstündige Zugfahrt wieder auf mich nehmen.
Eine der vielen kleinen Gassen
Kurz vor unserem ersten Bier...
Ruhezone am Ufer der Ill
An diesem Tag stand uns auch der erste Besuch des Alten Hallenbades, das das Poolbar-Festival beherbergt bevor. Nachdem wir uns bei einem Freund von Stefan eingestimmt hatten, machten wir uns auf den kurzen Weg über die Ill zum Abendprogramm.

Ich war auf Anhieb begeistert. Ein imposantes und modernes Lichtkonzept und minimalistische Sitzgarnituren drinnen wie draußen, entspannte, junge Menschen, wunderbares Wetter, viele bekannte Gesichter hinter der Bar und Musik abseits des Mainstreams. Highlight war dann etwas später, als der Pool geöffnet wurde. Bühne und Publikum tauchen dort tatsächlich in ein altes (ausgelassenes) Schwimmbecken ein, über dem sich das –obwohl es nur aus simplen Glühbirnen besteht- beeindruckende Lichtkonzept fortsetzt.
Stefan und Michael beim Poolbar-Festival
Obwohl an dem Abend nur Vorarlberger Bands spielten, war es für mich ein Genuss, denn es wurde feiner Stoner-Rock dargeboten.
Der nächste Tag brachte zum Frühstück ein 30 cm Schnitzel in der Schattenburg in Feldkirch. Für mich persönlich nicht zu bewältigen, aber sehr lecker.
Die halbe Sau muss man gesehen haben
Danach hüpften wir in den Zug (schon wieder) und fuhren nach Bregenz – Festspielbühne, Füße im Bodensee, Erdbeermilch beim Milchpilz, zu dem der kleine Stefan vor Jahren schon seine Eltern schleifte und wieder retour.
"Brunnen" vor der Bregenzer Festspielbühne
Strandpromenade am Bodensee
Das wars dann für mich und ich zog das Bett einem kleinen Ausflug in den Wald vor. Denn am Tag darauf packten wir die Wanderschuhe aus und bestiegen einen 2400er. Zugegebenermaßen fuhren wir 2000 Meter mit Auto und Seilbahn. Vom wunderschönen Lünersee ging es dann auf die Totalphütte und ich hab mir schwer vorgenommen das Rauchen aufzugeben…
Lünersee
Totalphütte
Dann endlich das Highlight – Miss Kittin and The Hacker beim Poolbar Festival! Leider dauerte ihr Auftritt bloß eine Stunde, dafür waren für mich HOODGRIM, ein Duo aus Berlin die Überraschung des Abends. Die zwei begeisterten mich mit sehr tanzbarer, abwechslungsreicher elektronischer Musik und eigentlich kristallisierten sich die zwei – die bis auf eine Stunde das gesamte Abendprogramm bestritten- als Hauptact des Abends heraus.
Zuviel Bier intus, ziemlich leergetanzt und eine rasante Taxifahrt bei der ich eine waschechte Lebenskrise ob des wahnwitzigen Fahrstils des Taxlers ausstand später, fielen wir endlich ins Koma. Vier Stunden später war es Zeit wieder für sieben Stunden im Zug zu verschwinden und die wunderschönen, spannenden und lustigen Tage in Vorarlberg revue passieren zu lassen.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal Stefan und seiner Familie für die schöne Zeit danken! ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Der Artikel von Elmar über Helmut Seethaler hat Kommentare en masse nach sich gezogen und dazu geführt, dass das Denkfabrikat Kontakt zu dem "Zettelpoeten" aufgenommen hat. Vor Kurzem erhielt ich ein kleines Päckchen von Helmut Seethaler, gefüllt mit Gedichten, Zeitungsartikeln und Kommentaren zu Anzeigen. Die Wiener Justiz und vor allem die Wiener Linien bemühen sich redlich dem Mann das Leben und Arbeiten schwer zu machen, Kosten und Mühen werden nicht gescheut. Das brachte mich zum Nachdenken über die Wertigkeit von Strafdelikten.
Gedankensprung: Vor einer Woche masturbierte ein Fremder vor meinem Zimmerfenster im Studentenheim, eine Woche zuvor einige Zimmer weiter. Ein Anruf beim Notruf der Polizei hatte keinerlei Folgen, ich musste Tags darauf selbst zur Wache gehen. Seltsam?
Ich finde ja. Warum ich von Helmut Seethaler auf diesen Vorfall komme? Ganz einfach: die Verbindung Polizei, Justiz, Verbrechen. Frage: Wem schadet Seethaler mit seinen Gedichten? Warum werden hier Anzeigen aufgenommen? Der Dichter beschreibt nur temporäre Baustellenflächen, diese nur mir abwaschbaren Stiften und seine Gedichte kleben an Tixostreifen (logischerweise mit der Klebeseite nach vorne). Von wirklichem Schaden kann hier keine Rede sein. Jedenfalls überwiegt der Nutzen deutlich. Darüberhinaus wurde von zahlreichen Richtern Seethalers Arbeit als Kunst und somit als schützenswert erachtet. Das hält scheinbar trotzdem niemanden auf, den Dichter mit mittlerweile über 3000 Anzeigen zu überhäufen, denen die Polizei offensichtlich mit Freuden nachgeht.
Andere Frage: Wenn ein Mensch in meinen persönlichen Lebensbereich eindringt, mich demütigt und einer Hilflosigkeit aussetzt, mich für seine gestörte Sexualität benutzt, könnte man doch davon ausgehen, dass die Polizei hier handelt? Falsch gedacht. Am Abend der Tat wartete ich vergeblich auf Beamte, wurde immer wütender und verständnisloser und nahm schließlich am nächsten Tag die Sache selbst in die Hand, indem ich zum nächsten Wachzimmer ging und mich beschwerte. Die Antwort des Diensthabenden: Wird scho a Streifn vorbeigfoahn sein. Großartig. Erst nachdem ich mich auch damit nicht zufrieden gab, bequemte man sich dazu, eine Kollegin zu rufen, die dann eine Aussage aufnahm. Das war vor einer Woche und obwohl ich ausdrücklich angab, dass es jemanden gibt, der den Mann beschreiben kann, hat man bis heute keinen Kontakt zu mir aufgenommen. Scheinbar ist sexuelle Belästigung noch immer ein Delikt, das kaum ernst genommen wird.
Herr Seethaler, vielleicht könnten Sie mal Gedichte an mein Fenster kleben, eventuell hab ich dann mehr Chancen auf Einsatz der Polizei?!
Ich möchte hier KEINESFALLS einen Vergleich ziehen, sondern äußere nur meine Gedanken zu einem teilweise versagenden Rechtssystem.
Hinzu kommt noch, dass kleinbürgerliche, gelangweilte Menschen scheinbar nichts Besseres zu tun haben als unbedeutende Missstände zur Anzeige zu bringen. Heute erst erlebt: Vor meinem Studentenheim befinden sich Blumenkästen, die dieses Wochenende mit kleinen Schnapsflaschen gefüllt wurden. Zugegeben, muss natürlich nicht sein. Ein Rentner fühlte sich aber heute verpflichtet den Tatort plus das Schild des Studentenheimes zu fotografieren, wahrscheinlich in der Absicht damit zur Polizei zu gehen. Ich würde mich wahrscheinlich zu einem unkontrollierten Lachanfall hinreißen lassen, sollte die Polizei deswegen auftauchen, ein Mann der mehrmals vor Zimmern von Frauen masturbiert wird hingegen ignoriert.
Helmut Seethaler ist nach über 30 Jahren Kampf gegen diese Menschen scheinbar etwas müde.Kommentar von Seethaler am 27. April 2009 auf dasdenkfabrik.at:
bin seit 8tagen schwerst erkrankt.weiss net ob ichs schaff eure einladung zur beklebung anzunehmen.weiss net ob i ibahaupt je wida was schaff
Die meisten darauf folgenden Kommentare haben jedoch wieder gezeigt, dass es nach wie vor Menschen gibt, die dem Zettelpoeten einige Bedeutung beimessen und ihn unterstützen wollen. Sei es durch aufmunternde Worte oder eine kleine Spende. ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Es ist an der Zeit für Veränderungen! Die vergangenen Monate haben wir in den Katakomben des Lerchenfelderheims zu Wien schon oft genug bewiesen, dass man mit uns ganz gut feiern kann. Nun sagen wir Habidere und trauen uns raus aus unserem Nest. !!!iiiioooodla iereieF
Du bist verwirrt? Wir auch…. Im WIRR!
(Burggasse 70, 1070 Wien)
Das Denkfabrikat lädt ein zu einer Musiknacht mit elektrisierenden Beats, instrumentaler Improvisation, einer Portion Rock und visuellen sowie künstlerischen Eindrücken, die im Zusammenspiel eine einzigartige Mischung ausmachen.
Am 7. Mai, 21 Uhr steigt in Wien unsere erste Impro-Musik- Networking-Feierei mit einer Meeeeenge Phantasie. Wir freuen uns auf einen Abend voller gut gelaunter Menschen, schrägen Klängen und Eskapismus deluxe!
Am Start (im wahrsten Sinne des Wortes) ist ein wahres Feuerwerk an Musikern und Künstlern. Neben DJ’s aller Art, einem einfallsreichen Klavierspieler und einem mit seiner Kreatitvität um nichts nachstehenden Fagottisten, sind es vor allem Freunde, die diese Nacht so besonders machen.
~~~~~~~~~~~für die ohren
+ matthew smith
+ fabian oppolzer
+ dj pfefferminz
+ dj gru
+ discomaster console
+ random reiner
~~~~~~~~~~~für die augen
+ el spck
+ klaus moped
uvm...
[caption id="attachment_1429" align="aligncenter" width="480" caption="Flyer"]  [/caption]
Weitere Infos in Kürze hier ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Tanzschule war gestern, Matze erklärt uns den Techno-Tanz! Wer bisher im Tanzschuppen seines Vertrauens nicht über den "Grundschritt" hinaus gekommen ist, der kann mit dem "Matze-Techno 1x1 Grundkurszertifikat" einige Schritte richtung "Expertenliga", bis hin zum "Obermove" machen.
Matze erklärt Technotanz
[youtube wKNydTudRYo]
Klappt auch ganz gut auf Hochzeiten, oder wie die eigene Erfahrung gezeigt hat, bei diversen Auflegereien- allerdings erst im stark bewusstseinserweiterten Zustand zu späterer Stunde.
Hommage an Matze erklärt Technotanz
[youtube 6HwF-Lb9uyw&feature=related]
Und wo wir gerade bei "gude launeee" sind. Das passiert, wenn Sven Väth auflegt und ein Mikro findet...
svenpanel -> link ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Letzte Woche verschlang ich innerhalb von drei Tagen die 592 bewegenden und berührenden Seiten des Werkes Die Bücherdiebin von Markus Zusak. Selten hat mich ein Buch derart gefesselt und emotional mitgerissen, was bis zum Fließen einiger Tränen führte. Nicht zuletzt regt die Geschichte zu einer Auseinandersetzung mit dem Tod an, denn der Erzähler der Geschichte ist der personifizierte Tod höchstpersönlich.
Markus Zusak erzählt uns die Geschichte eines deutschen Mädchens, das in der Zeit des Zweiten Weltkrieges bei Pflegeeltern aufwächst. Dazu schlüpft der Autor in die Rolle des Todes, der uns das Leben von Liesel Meminger schildert und dabei erstaunlich viel Herz zeigt. Die Charaktere werden mit einer liebvollen Sanftheit beschrieben und selbst die durchgehend fluchende Pflegemutter muss man in sein Herz schließen.
Das schwarze Handbuch für Totengräber, das bei der Beerdigung ihres Bruders aus der Tasche des Lehrlings in den weißen Schnee fällt, ist Liesels erstes Diebesgut und stellt den Grundstein für eine tiefe Verbindung zu ihrem Pflegevater dar. Gemeinsam lernen sie die Macht und Faszination von Worten kennen. Als Liesel nach einer Bücherverbrennung ein heil gebliebenes Werk aus der Asche stiehlt, nimmt eine seltsame Verbindung mit der Frau des Bürgermeisters, die den gefährlichen Diebstahl beobachtet, seinen Anfang. Von anfänglichen Lesestunden in der Bibliothek der Frau, geht Liesel zu geduldeten Bücherdiebstählen über. Mit der Zeit stellt Liesels wertvollster Besitz ein Stapel gestohlener Bücher dar, den sie sogar bei Bombenangriffen in den Luftschutzkeller trägt.
Das Mädchen wird von Charakteren umringt und begleitet, die sehr einfühlsam gezeichnet sind. Der Tod erzählt uns von Rudi, Liesels bestem Freund, der den schwarzen, amerikanischen Marathonläufer Jesse Owens bewundert und mit Kohle beschmiert einen einsamen Marathon läuft. Wir lernen Hans und Rosa Hubermann kennen, die den unglaublichen Mut aufbringen einen Juden in ihrem Keller zu verstecken. In der Einsamkeit des Kellers trägt Max, der ehemalige Straßenboxer imaginäre Ringkämpfe mit dem Führer aus und schließt Freundschaft mit Liesel.
Am Rande- später immer intensiver- das Geschehen des Zweiten Weltkrieges, das unserem Erzähler, der immer mehr Seelen davontragen muss, Lust auf Urlaub macht.
Es ist eine zutiefst menschliche Geschichte, die trotz ihrer starken Emotionalität nicht im Geringsten kitschig wirkt. Ein richtiges Lieblingsbuch", das ich hiermit wärmstens weiterempfehle. ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Während einer Zugfahrt von Wien nach Oberösterreich ereignete sich folgendes grob, aber sinngemäß wiedergegebene Gespräch, das mich einmal mehr über die österreichische Zeitungslandschaft sinnieren lies.
Person1: Willst du das Profil mitnehmen, mein Papa hats sowieso abonniert.
Person2: Passt schon, meine Eltern lesen eh nur Krone.
Person1: Uh, mein Publizistikstudentenherz blutet.
Person2: (lacht) Ja ist schon schlimm, was liest du normal so?
Person1: Standard!
Person3: (mischt sich ein) Also Österreich ist ja wohl noch schlimmer als die Krone!
Person1 und 2 geben Person3 recht.
Person3: Wiener Zeitung ist die beste Tageszeitung. Aber der Standard, das ist ja eine ganz furchtbare Zeitung. So viele Rechtschreib- und Grammatikfehler, grausam.
Person1: Also das wär mir noch nie aufgefallen, zumindest nicht öfter, als bei anderen Zeitungen.
Person2: Mir eigentlich auch nicht.
Person3: Na bitte! Also, da machens im ersten Absatz dieses, na wie heißts denn, na wenns die Geschlechter mal anpassen und dann wieder nicht. Furchtbar ist das, da wird mir ganz schlecht. Und immer verweisens auf einen Standard Artikel von vor 3 Tagen. Ich les den ja nur wenns ihn am Sonntag gratis gibt, wer soll sich denn da bitte noch auskennen?
Person1: Aha. Also ich behaupte, ganz gut Deutsch zu beherrschen, mir sind derartige Fehler noch nie aufgefallen. Reden wir sicher von der gleichen Zeitung?
Person3: Ja sicher! Und außerdem stinkt der Standard! Ganz widerlich, da könnt ich jedesmal speiben!
Person1: (amüsiert) Verzeihen sie bitte, aber wenns die Zeitung sonntags aus den Straßenverkaufstaschen nehmen, da werdens halt mal feucht von der Witterung und parfümieren wernses wohl kaum?!
Person3: Na also, des is einfach widerlich.
Person1: Na bitte, wies meinen.
Person1: Ich, Person2: Ein Freund von mir, Person3: Eine unbekannte Mittfünfzigerin
Ich war sehr amüsiert über die fehlende Argumentationskraft dieser Frau, die wahrscheinlich den Standard Sonntags klaut, wenn die Verkaufstasche am nächsten ist, aber das mag natürlich eine böse Unterstellung sein. Nachdem wir den Zug verlassen hatten beklagte ich mich lautstark bei meinem Freund über diesen, meiner Meinung nach völlig ungerechtfertigten Angriff auf meine persönliche Lieblingszeitung. Ja, ich oute mich hiermit als leidenschaftliche Standard-Leserin. Diese Tageszeitung erfüllt nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv alle Kriterien einer Qualitätszeitung- und die sind in Österreich dünn gesät.
1988 von Oskar Bronner gegründet ist der Standard neben der Presse die am höchsten subventionierte Zeitung Österreichs, aber nur die fünft größte mit einer Reichweite von rund 5 %. Allerdings erreicht die, einem Nachrichtenportal gleichende Online-Ausgabe der Zeitung, laut Österreichischer Webanalyse (ÖWA) vom Juni 2008, 1,2 Millionen Unique Clients pro Tag und liegt hiermit deutlich vor allen anderen österreichischen Nachrichtenportalen mit Ausnahme jenes des ORF.
Ich persönlich informiere mich oft online, allerdings geht für mich nichts über die Printausgabe mit Kaffee und Zigarette.
Ich möchte hier eine kleine Diskussion über die Zeitungslandschaft in Österreich und eure Lesegewohnheiten hervorrufen. Welche Tageszeitung, in Print- oder Onlineausgabe dient eurer Informationsbeschaffung und warum? Comments? ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Liebe ÖsterreicherInnen, das habt ihr jetzt davon! Nach dem Eklat bei der letzten Ringrunde haben nun auch renommierte Journalisten das Gefühl konsequenzlos rassistische Äußerungen tätigen zu dürfen. Klaus Emmerich, jahrelanger USA-Korrespondent beim ORF, schockierte am 5.11.08 mit rassistischen Aussagen über den neuen US-Präsidenten Barack Obama.
Für mich ist hier durchaus ein Zusammenhang zur letzten österreichischen Nationalratswahl zu erkennen, bei der rechten Parteien Tore sperrangelweit geöffnet wurden, was schließlich in der Wahl eines Olympia-Mitgliedes zum dritten Nationalratspräsidenten gipfelte.
Bei einer Livesendung im ORF zum Thema US-Wahlen fiel der pensionierte ORF-Journalist Klaus Emmerich mit bedenklichen Aussagen über Barack Obama und Schwarze auf:
Klaus Emmerich: "Nein, ich halte die Amerikaner nach wie vor für Rassisten und es muss ihnen schon sehr schlecht gehen, dass sie so eindrucksvoll – das muss man ja sagen und ist auch keine Frage – einen Schwarzen mit einer Schwarzen, sehr gut aussehenden, gscheiten Frau, ins Weiße Haus schicken. – Denn ich bin mal neugierig, wie das weiße Amerika regiert. Das wäre ungefähr so, wie wenn der nächste Bundeskanzler ein Türke wäre in Österreich. Das schau ich mir an. (...) Die Frage, ob nun – egal was für eine Hautfarbe der amerikanische Präsident hat – der ja auch eine Institution ist, er ist ja nicht nur eine Person – wichtig und gut – Personenkult ist a net schlecht, aber wenn sie sagen die ganze Welt – mit verlaub gesagt – des haben wir schon einmal gehört und es hat mir damals nicht gefallen und gfällt mir auch heute nicht."
Andreas Pfeifer: "Sie haben gesagt, die Amerikaner sind nach wie vor Rassisten, wie meinen Sie das? Dieses Wahlergebnis spricht ja ein ganz andere Sprache?"
Emmerich: "Zunächst muss man einmal sehen wie hoch die Wahlbeteiligung war – es haben ja nicht alle Amerikaner gewählt – es war eine hohe, sehr hohe, erstaunlich hohe – und das ist die Motivation – das ist das, was es mir auch Unheimlich macht – die Art mit Emotionen – mit Sympathie, mit Intelligenz – alles gar keine Frage bei Obama und das ist natürlich alles relativ im Vergleich zu den jetzigen Präsidenten ist es leicht, genial, begabt, charismatisch und weiß nicht was alles zu sein wie Obama. Es ist alles relativ, aber trotzdem ich glaube das in Amerika das weiße Amerika, vielleicht ist das ein Rückzug, vielleicht erleben wir jetzt – insofern gebe ich Ihnen Recht – einen Umbruch – und das also diese alte Gesellschaftsordnung, die eben basiert hat auf weiße Gesellschaft mit Sklaven – die sich also Leute hereinholen, wenn sie es haben wollen – auch aus Europa bis hin zur jüdischen Emigration im Zweiten Weltkrieg – jetzt sind die Amerikaner vielleicht sich selbst überlassen. – Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen. Wenn Sie jetzt sagen – na gut des ist auch eine rassistische Bemerkung – richtig – ist gar keine Frage – sind wir in unserer Gesellschaftsverfassung in der Lage einen so hochbegabten Mann, der ein Zeichen trägt – was für ein Zeichen immer – zu verdauen – nämlich wir in Europa – und da habe ich große Zweifel."
(Quelle: Oe24.at)

Der ORF distanzierte sich mit dem Verweis auf die Livesendung und will Emmerich nicht mehr einladen. Vom Standard dazu interviewt zeigt Emmerich nicht nur keine Reue, er legt sogar noch nach und spricht von einer " äußerst beunruhigenden Entwicklung" weil seiner Meinung nach die " Schwarzen in ihrer politisch-zivilisatorischen Entwicklung noch nicht soweit sind". (Standard vom 6.11.08)
Links: Lebenslauf Emmerich, Wikipedia zu Emmerich ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
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Letzten Sonntag saß ich bei Kaffee und Keksal bei meinen Großeltern, blätterte lustlos in der Kronen Zeitung herum, lauschte nebenbei der immer gleichen Frage, wann ich denn endlich wieder in die heimatliche Marktgemeinde zurückkehren würde und wozu man eigentlich Publizistik studieren würde, als ich plötzlich die Antwort darauf fand. Und das ausgerechnet in der Krone auf Seite 8 im Eule Kommentar.
Das Wort "NS-Dikatur" und der Titel "Behinderte Meinungsfreiheit" sprangen mir in die Augen und ich bereitete mich auf einen braun eingefärbten Kommentar vor. Zu Anfang war die Rede vom "Meinungsterror" im NS-Regime und, dass es für die Menschen nach 1945 eine "Erlösung" darstellte, "endlich gefahrlos und frei überall ihre Meinung sagen zu können".
Kritisiert wurde in weiterer Folge, dass heutzutage freie Meinungsäußerungen negative Folgen nach sich ziehen können, was anhand dreier Beispiele erläutert wurde. Im ersten ging es um den FIFA-Schiedsrichter und ÖVP-Sportsprecher Konrad Plautz, der in einem Radiointerview zugab, mit "so Negermusik" nichts anfangen zu können, worauf sich Vertreter der "Antirassistischen Initiative Fair Play" geschockt zeigten. Der unglaubliche Wortlaut in der Krone: "Plautz glaubte, sich tatsächlich entschuldigen zu müssen". Das zweite Beispiel handelte von einer Bewerberin für einen Schulinspektorenposten, die sich in ihrer Diplomarbeit negativ über Homosexualität äußerte und auf den Unmut der Grünen stieß. Das dritte dargstellte "Schicksal" erzählte von einer Physik-Professorin, die offen eine Entwicklung menschlichen Lebens ohne Gott verneinte, was von der Schulleitung nicht toleriert wurde. Bei allen drei Fällen wurde dem Leser klar und deutlich suggeriert, dass es sich hierbei um grobe Ungerechtigkeiten handle, da es doch nur um die freie Meinungsäußerung gehe, die ja ein Grundrecht darstelle.
Dass eine derart rückschrittliche Zeitung eine weltweit einzigartige Reichweite von 44% aufweist, ist mehr als bedenklich und man stellt sich die Frage, ob die Grundstimmung in Österreich wegen der Krone so fremdenfeindlich, so kleingeistig ist, oder ob die Krone nur die Meinung und Grundhaltung vieler widerspiegelt. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Efriede Jelinek liefert dazu ein interessantes Zitat:
Die Massen lesen die "Kronen Zeitung", das heißt, sie hören sich selber beim Denken zu, ohne zu ahnen, dass man ihnen nur gibt, was sie immer schon gedacht haben, (...) sie freuen sich, dass es welche gibt, die sagen, was sie immer schon gesagt haben. So werde der Prozess des Denkens unterbrochen, ehe er noch beginnen kann. (Quelle: Wikipedia.org)
Genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Menschen, die nicht darüber nachdenken, was sie da lesen und was die Zeilen bewirken können. Menschen, denen nicht bewusst ist, welche Macht die Kronen Zeitung unter Hans Dichand besitzt. In den jüngsten politischen Entwicklungen wurde uns das einmal mehr vor Augen geführt. Die Krone lebt zu einem Teil auch von den Lesern, die sie eben aufgrund ihrer Meinungsbildenden und -unterstützenden Funktion neben Qualitätsblättern rezipieren, um ein Bild der Gesellschaft zu bekommen. An genau diesen Menschen liegt es, kritisch zu hinterfragen und aufzuzeigen, welche Denkweisen nicht mehr ins 21. Jahrhundert gehören.
Michaela Pichler
DNKFBRKT ▶▶
Veröffentlicht vor 41 Jahren
Michaela Pichler aka michi 16 Beiträge // 63 Kommentare // Registriert: 13.07.2009   Wien michi sagtZum Artikel Rückblick auf eine spannende Woche"du sprichst mir aus der seele! schön zusammengefasst, was sich so alles getan hat :) freu mich auf alles, was in zukunft noch passieren wird!" 08.07.2010 um 14:56 UhrZum Artikel Lehrstunde auf wienerisch"das war mal net geschichte! gefühlt sind echt nur uralt wiener beisln schauplätze derartiger dramen..." 18.06.2010 um 14:28 UhrZum Artikel FLUT Erster Teil, Folge 2/49"mir auch, wird sicher noch extrem spannend!!" 09.06.2010 um 17:39 UhrZum Artikel MODEPALAST BRAND NEW EXPO"MODEPALAST After Show Party am 24.4. ab 22 Uhr
Klub X
Musik: Tingel Tangel" 20.04.2010 um 23:45 UhrZum Artikel Lost Generation"schön, hat mir den tag versüßt. vor allem wirklich toll gemacht. einfaches prinzip, das aber extrem fesselt" 24.02.2010 um 12:43 Uhr
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