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  1. Artikel

    FLUT Zweiter Teil, Folge 11/49

     
    „Verdammte Scheiße!“
    Frank Mabus schlug mit der flachen Hand so stark er konnte auf den kleinen Schwarzweiß- Fernseher auf seinen Knien, leider ohne die erhoffte Wirkung. Auf dem mickrigen Bildschirm war weiterhin nicht mehr als ein schattiges Flimmern zu erkennen. Er hatte sich in der Wäschekammer eingeschlossen, damit er seine Ruhe hatte. Schon früher war er hier öfters hergekommen wenn ihn seine Frau und die Kinder zur Weißglut gebracht hatten, aber in letzter Zeit schloss er sich immer öfter ein. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  2. Artikel

    FLUT Zweiter Teil, Folge 10/49

     
    Es war, als hätte sie die Tür zu einer anderen, kalten Welt geöffnet. Heulend trieb der Wind eiskalten Regen zu ihr herein. Linda hielt die Hand vors Gesicht und versuchte gleichzeitig draußen etwas zu erkennen. 
    Zuerst konnte sie überhaupt nichts sehen, aber dann zeichnete sich dort unten vor ihrem Fenster, einzig erhellt durch das schwache Licht, dass durch die die dicken Vorhänge des Wohnzimmers nach draußen drang, die deutliche Silhouette einer menschlichen Gestalt ab.
    Das da unten mag ein Mann sein, aber er kann doch unmöglich… ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  3. Artikel

    FLUT Zweiter Teil, Folge 9/49

     
    Es war bitter kalt. Das sollte nicht sein im Hochsommer. Der nun seit drei Wochen andauernde Regen verbarg sich hinter tief hängenden, schwarzen Wolken. Linda konnte ihn nicht sehen, nur hören. Sie stand mit einer Decke um die Schultern am Fenster und sah hinaus. Ihr Zimmer lag direkt unter dem Dach. Der Regen trommelte über ihrem Kopf auf die Schindeln und gegen die kupferne Regenrinne. Mal stärker, mal schwächer, aber kontinuierlich. Linda konnte sich nicht erinnern in ihrem fünfzehnjährigen Leben je einen so hartnäckigen Dauerregen erlebt zu haben. Früher hatte das Geräusch des Regens immer eine beruhigende Wirkung auf sie gehabt und sie hatte ihm gerne, gerade nachts gelauscht, wenn sie mit einem Buch in ihrem warmen Bett gelegen war. Aber irgendetwas an diesem Regen war anders.  ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  4. Artikel

    FLUT Zweiter Teil, Folge 8/49

     
    Als kleiner Junge war er in den Sommerferien einmal zu seinen Großeltern aufs Land gefahren. Er war damals zehn Jahre alt gewesen und hatte an die ganze Sache schon lange vergessen. Aber in dieser Nacht träumte er davon. Sein Großvater hatte sich in einem Bergwerk in Frankreich nach dem Krieg als Gefangener die Lunge ruiniert. Man hatte ihm einen Flügel entfernt und nun klang sein Atem hoch und leicht rasselnd. Er sagte niemals viel. Die meiste Zeit saß er in seinem Stuhl und röchelte vor sich hin. Sein Gesicht war grau und faltig mit dunklen Altersflecken auf Stirn und Hals. Seine Hände lagen die meiste Zeit ruhig und knochig auf den abgenutzten Armlehnen seines Sessels, der wenn die Sonne schien, draußen auf der Veranda stand.
    In seinem Traum schien die Sonne, in seinem Traum saß er neben seinem Großvater draußen auf der Veranda, wo es nach Äpfeln roch, es war Mittag. Aus der Wohnung klang Klaviermusik. Er kannte die Melodie, wusste aber nicht wie das Stück hieß. Es war ganz bekannt. Man hörte es überall. Großmutter war fast taub, aber sie spielte Klavier. Sie spielte auch Klavier, als er Großvater rüber in den Hühnerstall folgte. Ganz leise drang die Melodie durch die dünne Bretterwand.
    "Was willst du mir zeigen Großvater?" Der Großvater lachte und er konnte seine Zähne sehen, die schon im Mund verfaulten; er stellte sich vor wie der Atem des alten Mannes riechen würde: wie der hintere Teil eines feuchten Kellers.
    "Komm mit hier rüber Junge." Großvaters Atem pfiff. Dort in der Ecke stand ein kleiner Holzkäfig. Darin befanden sich drei Hamster. Er hatte vier von ihnen letzten Sommer zum Geburtstag geschenkt bekommen und nahm sie seitdem überall mithin. Obwohl es nur zwei Männchen waren hatte er sie John, George und Ringo getauft. Paul war leider schon nach einer Woche an einem Herzleiden gestorben. Sie hatten ihn im Garten neben dem Kompost beerdigt. Er hatte Paul eine Blume auf sein Grab gelegt und Vater hatte mit ihm ein Gebet aufgesagt. Auch davon träumte er.
    "Das sind deine, nicht wahr?"Er nickte.
    "Ja, willst du sie gerne Streicheln?" Großvater schüttelte den Kopf. Er lächelte, aber sah irgendwie komisch dabei aus. Seine Augen waren ganz groß geworden, und man sah viel weißes wie bei Brutus, wenn er nach etwas zu Fressen eiferte. Das Lied begann von Vorne. Wie hieß dieses verdammte Lied gleich? Er kannte es so gut, warum wollte es ihm nicht einfallen?
    "Ich zeige dir was lustiges", sagte der Großvater und öffnete den Käfig. Er griff hinein und holte einen Hamster heraus. Er hatte ein braunes Fell mit weißer Stirn. Das war John. Zitternd lag er in der Hand von Großvater.Mit einem Mal hatte er das sichere Gefühl, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Großvater beugte sich ganz nah zu ihm herunter. Er brauchte eine ganze Weile dazu, seine steifen Glieder zu bewegen. Ganz nah hielt er ihm den Hamster vor das Gesicht. Plötzlich liefen ihm stumme Tränen die Wangen hinunter.
    "Wie heißt der Kleine?", fragte Großvater.
    "John", schluchzte er.
    "John? Was soll das für ein beschissener Name sein."
    "Ich habe ihn nach einem Musiker benannt?"
    "Und da sind dir keine Deutschen eingefallen?"
    "Lass ihn bitte in Ruhe."
    Nun verwandelte sich der Gesichtsausdruck seines Großvaters noch einmal. Sein Blick wurde klar und kühl.
    "Du hast ihn sehr lieb, nicht wahr?"
    Er nickte.
    "Dann sieh jetzt genau hin?"
    Die dünnen knochigen Finger schlossen sich so plötzlich um den zitternden Körper des kleinen Hamsters, dass es nicht einmal mehr ein Piepsen von sich geben konnte. Mit einem hässlichen Knirschen brachen seine dünnen Knochen. Er hörte es knacken, er sah den irren, funkelnden Blick seines Großvaters wie er die Hand mit aller Kraft zusammen quetschte. Er brachte keinen Ton heraus, starrte fassungslos auf das zuckende Haarknäuel. Mit einem Lächeln ließ der alte Mann schließlich von dem Tier ab, schenkte ihm einen abschätzenden Blick und warf es dann in eine Ecke des Stalls, als wäre es eine Handvoll Dreck.Tränen verschleierten seinen Blick. Wieso hatte dieser böse alte Mann das getan?
    "Du willst doch nicht, dass diesen anderen kleinen Missgeburten das gleiche passiert, nicht wahr?"
    "Nein", schluchzte er.
    "Das habe ich mir gedacht."
    Die Musik hörte plötzlich auf. Ängstlich wand er seinen Kopf in Richtung Haus. Der Großvater schnaubte verächtlich.
    "Vergiss es kleiner. Sie wird nichts hören. Sie wird nichts hören, nichts sehen und nichts merken. Wir haben hier draußen unsere Ruhe, vertrau mir. Ich werde dir jetzt etwas zeigen, etwas sehr wichtiges, etwas, was du dein ganzes Leben nicht vergessen darfst."
    Aber bevor er sich erinnern konnte, was es war saß er plötzlich wieder hinter dem Lenkrad und sah den blinden Jungen vor sich auf der Straße. Er lächelte ihm zu. Kurz. Dann prallte sein Gesicht gegen die Windschutzscheibe.
     ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  5. Artikel

    FLUT Erster Teil, Folge 7/49

     
    Joachim hatte ein merkwürdiges Gefühl in Kirchen gehabt, seit er das erste Mal eine betreten hatte. Die kühle Andacht, die fast ehrfürchtig drückende Stille, das seltsame Verhalten der Menschen in ihnen hatten auf ihn immer fremd und abweisend gewirkt, abweisend oder bedrohlich. In Schattenbach war es unüblich Sonntags nicht in der Kirche zu erscheinen, trotzdem mieden seine Mutter und er den Gottesdienst für gewöhnlich. Madeleine Cranach hielt nicht sehr viel von Religion und Gott. Die Zeiten waren vorbei an denen man für solch eine Einstellung gesteinigt worden war, aber trotzdem wurde sie in ganz Schattenbach misstrauisch als Fremde beäugt und hinter ihrem Rücken wurde einiges getuschelt. Joachim hatte die Abneigung der Eltern schmerzhaft an der Abneigung seiner Mitschüler übertragen gespürt. Zumindest bis zu dem Tag, als es begonnen hatte zu regnen. Danach hatten sie ihn in Ruhe gelassen. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  6. Artikel

    FLUT Erster Teil, Folge 6/49

     
    Martin wachte schweißüberströmt auf. Ihm kam es vor, als hätte ihn sein eigener Schrei geweckt, doch er war sich nicht sicher. Es dauerte ein paar Momente, bis er sich bewusst wurde wo er war. Er lag auf der Couch im Wohnzimmer. Den Fernseher, den er stumm geschaltet hatte warf ein schales und flimmerndes Licht in den Raum. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  7. Artikel

    FLUT Erster Teil, Folge 5/49

     
     ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  8. Artikel

    FLUT Erster Teil, Folge 4/49

     
    „Nun ja, wir werden sie hier sehr vermissen“. Er gab sich alle Mühe seinen Ton so ehrlich wie nur möglich klingen zu lassen, aber es gelang ihm nicht.
    „Ich werde ihre Stelle jedoch nicht einfach so übernehmen können, dass werden sie doch hoffentlich verstehen?“ Martin sah ihn stumm an. Wie er diesen Scheißkerl hasste. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  9. Artikel

    FLUT Erster Teil, Folge 3/49

     
    Esra Dunkel wurde an einem Mittwochvormittag auf dem städtischen Friedhof im strömenden Regen beigesetzt. Seit seinem Tod regnete es nun als würde der Himmel um ihn weinen. Martin, der es sonst gewohnt war zu predigen, saß in der ersten Reihe und starrte auf den mit Blumen geschmückten Sarg, der direkt vor ihm aufgebahrt war. Ein Foto von Esra war auf seinen Wunsch nicht darauf gestellt worden. Esra war seid seiner Geburt blind, er hatte nie sehen können und es hätte ihm deshalb wahrscheinlich nichts bedeutet. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  10. Artikel

    FLUT Erster Teil, Folge 2/49

     
    Am selben Tag und ungefähr zur selben Zeit, als Esra Dunkels Augen für immer geschlossen werden, liegt das kleine verträumte Städtchen Schattenbach wie betäubt von der Hitze in dem wunderschönen Landschaftsparadies am Mondsee. Alles ist ruhig, fast ein bisschen zu still, als wäre etwas passiert. Etwas, das alle Dinge den Atem anhalten lässt, etwas außergewöhnliches, etwas worüber niemand wagt zu flüstern. Die Luft selbst scheint eine leuchtende Flüssigkeit, in der alles badet, in die man eintaucht, in der man schwimmt. Es provoziert aber stillt nicht das Verlangen, das jede Befriedigung steigert. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  11. Artikel

    FLUT Erster Teil, Folge 1/49

     

    Es war ein heißer Montag im Juli. Wie jede Woche um halb vier verabschiedete sich Esra Dunkel von seinem Vater und machte sich auf den Weg in den Schmetterlingsgarten 22. Wie jede Woche bot seinVater an, ihn die kurze Strecke zu fahren und wie jede Woche schlug Esra es ihm verärgert ab. Er nahm seinen Stock mit den grellen Neonringen an der Spitze in die eine Hand, das Notenheft in die andere und verließ ohne ein weiteres Abschiedswort die Wohnung.
    Etwa zwei Stunden später klingelte ein Polizist an der Tür des Vaters und sagte mit einem unangenehm ernsten Lächeln, dass ein Lastwagen seinen Sohn überfahren hatte. Esra war noch an der Unfallstelle verstorben. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  12. Artikel

    Vienna Independent Shorts: AVANTGARDE ANIMATION 3

     
    Das Thema, unter dem am Samstag 14 Animationsfilme aus 8 Ländern gezeigt wurden, hieß "Körper". Die Qualität der Filme war sehr hoch, die Zusammenstellung passend. Die vielseitig unterschiedliche herangehensweise an das Thema spannte einen Bogen über Animationen die an Munchs Holzschnitte erinnerten, bis zu einer Bildermontage von bekannten Horrorfilmen wie Shining, American Psycho uvm. 

    Endfilm, Deutschland 2009, 5. Min. Regie: Martin Sulzer
     ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  13. Kolumne

    Don Quichote und WoW

     

    Es gilt nicht gerade als Tugend, wenn man den lieben langen Tag Computer spielt. Ganz im Gegenteil. Dafür hat das Lesen mittlerweile einen vergleichbar guten Ruf. Das war nicht immer so. Wenn man heutzutage einen Roman nach dem anderen verschlingt, ist es ein leichtes dies rechtzufertigen. Als diese Gattung jedoch neu war, stand ihr die Menschheit genauso kritisch gegenüber, wie heute den Computerspielen. Romane machen einen verrückt, sie ziehen einen in eine nicht existierende Welt, sie kapseln einen ab und geben einem die Möglichkeit in eine Traumwelt zu fliehen. Vor dem Neuen hat man eben Angst. Viele Bücher wurden genau aus diesen Gründen verboten und trotzdem gelesen. Alles was ist, war in irgend einer Form schon einmal. Vielleicht ist eine Mutter in 500 Jahren ja froh, wenn ihr Kind endlich einmal zur Spielkonsole greift.

     

  14. Artikel

    SINTFLUT - Ein Wort zum Geleit

     
    Alles Action, prallvoll mit allem, was die Leser heute von einem richtigen Schmöker erwarten: Sex (jede Menge), Ehebrüche, Sodomie, Mord und Totschlag, Inzest, Kriege, Massaker usw.
    Umberto Eco über die Bibel


    Mit der Inspiration ist es so eine Sache. Sie existiert, aber sie findet einen meistens recht überraschend. Die zwei richtigen Drähte im Kopf treffen sich bei mir meistens beim Fernsehschaun oder kurz vor dem Einschlafen, aber immer, wenn ich nicht damit rechne. In den Nachrichten wurde von einem Hochwasser in der Türkei berichtet. Ganz Istanbul war unter Wasser. Aus den Straßen waren Flüsse geworden und dort mittendrin saß ein Mann auf dem Dach seines Auots und rauchte eine Zigarette. Ruhig und resigniert betrachtete er das Chaos um ihn herum.
    Seit ich diesen Kerl auf seinem Auto mitten in der Flut gesehen habe, ließ mich das Bild nicht mehr los und ein Gedanke begann sich langsam zu festigen: Eines Tages beginnt es zu regnen. Es war nicht wirklich eine Idee, nur die Vorstellung einer Situation. Wie sähe die Welt wohl aus, wenn es nicht mehr aufhören würde zu regnen. Ich verdrängte die ganze Sache. Zugegeben, originell war sie nicht.Und neu schon dreimal nicht. Die Lust daraus etwas zu machen kam erst viel später, als ich mich intensiv mit dem alttestamentlichen Text über dieses Thema auseinandersetzen musste. Von Anfang an faszinierte mich die archaische Rauheit und Aussagekraft dieser Geschichte, auch, oder gerade weil ich mich nicht als sonderlich religiösen Menschen betrachte.

    Die Bibel ist ein Buch voller Widersprüche und grausamer Abschnitte. Sei es die Sintflut, sei es die Geschichte von Elisa und den Bärinnen, die zweiundvierzig Kinder zerfetzen, nur weil sie den eben genannten Propheten als Glatzkopf beschimpft haben, sei es Sodom und Gomorrha, wo ein paar Schwule versuchen zwei Engel zu vergewaltigen, sei es die Geschichte von David und Bathseba oder die Episode in der Gott sein Volk aufruft die Kinder zu fressen. Die Taten der Erzväter und Mütter waren meist alles andere als ruhmreich und vorbildhaft.
    In der Beschreibung der inneren und äußeren Merkmale der Figuren ist gerade die Bibel jedoch meist sehr zurückhaltend, was einen breiten Interpretationsansatz offen lässt. Trotzdem beschränkt sich die Zahl der als gerecht Bezeichneten im Alten Testament auf Drei: Noah, Hiob und Daniel. Alle anderen haben Dreck am Stecken und zwar gewaltig. Moses war ein Mörder, Joseph eitel, Jakob stritt mit Gott, David beging Ehebruch et cetera. Bei Adam und Eva angefangen setzt sich die Fehlerhaftigkeit der Charaktere des Alten Testaments durch.
    Trotzdem, oder gerade deswegen, haben diese Geschichten bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren.
    Ihre Aussagen sind zeitlos. Unsere moralischen Vorstellungen was einen gerechten Gott betreffen mögen sich eventuell verändert haben, nicht aber unser Bedürfnis genau solche Geschichten zu hören und zu erzählen.

    Wenn man an die Sintflut denkt, denkt man auch an die Arche Noah und an die Bibel. Diese Umsetzung des Stoffes ist in unseren Breitengraden sicherlich die bekannteste, aber nicht die einzige und schon gar nicht die älteste. In allen Großkulturen unserer Welt wird von einer vernichtenden Flut berichtet und von einem Mann, der mit ein paar wenigen Auserwählten die sonst alles zerstörende Strafe Gottes, auf Grund seiner Tugendhaftigkeit, überlebt. In der Bibel heißt dieser Gerechte Noah, in der sumerischen Kultur Ziusudra, Atrachis im gleichnamigen akkadischen Epos und Enlil in der Gilgameschsage.
    Die verschiedenen Erzählungen bieten auffällige Gemeinsamkeiten auf, dass die Vermutung nach einer gemeinsamen Quelle berechtigt ist. In allen Versionen werden die Menschen für ihre Lasterhaftigkeit bestraft und dafür von einer höheren Macht durch totale Vernichtung zur Rechenschaft gezogen.

    Ein tolles Thema. Ich konnte mir vorstellen, dass es sicherlich viel Spaß machen würde, die Rahmenhandlung von Genesis 6 auszumalen, anhand dieser monumentalen Eckpfeiler eine neue Geschichte zu entwickeln. Sieben mal Sieben kurze, zusammenhängende Abschnitte über die Sintflut. Eines Tages beginnt es zu regnen...
    Ich will damit niemanden kränken, oder irgendetwas irgendwie in Frage stellen, sondern bestenfalls unterhalten. Die Geschichte soll in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden. Ich freu mich sehr über jeden Leser und jeden Kommentar.





     ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  15. Artikel

    Robin Hood

     
    Erfolgsgarantiert tritt Russel Crowe in die Fußstapfen von Errol Flynn und Kevin Costner.


    Am 12. Mai soll eine neue Version von Robin Hood die 63. Filmfestspiele von Cannes eröffnen. 10 Jahre nachdem Regisseur Ridley Scott und Russel Crowe zusammen Gladiator gedreht haben, wagen sie sich nun an die unzählig oft erprobte Geschichte um den legendären Bogenschützen, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Warum auch nicht, ist man von Hollywood doch gewohnt, immer auf Nummer sicher zu gehen. ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren
  16. Artikel

    Eine Bibel für Mörder?

     
    Am 8. Dezember, so gegen elf Uhr Abends, stand Mark David Chapman ruhig und gefasst unter einer Straßenlaterne vor dem Dakota Building und las J.D. Salingers „Der Fänger im Roggen”, wenige Minuten nachdem er auf John Lennon, aus etwa sechs Metern Entfernung, mit einem Revolver des Kalibers 38 fünf Hohlspitzgeschosse abgefeuert hatte. Er leistete keinen Widerstand als ihn die Polizei festnahm. Er gestand den Mord am nächsten Tag und behauptete unter anderem die Tat nur ausgeführt zu haben, um Salingers Roman weltberühmt zu machen. Auch habe er in diesem Buch die Aufforderung gelesen, eine Berühmtheit töten zu müssen, um selber berühmt zu werden. Natürlich hat man es hier mit einem ausgemachten Psychopathen zu tun, einem enttäuschten aber fanatischem John Lennon Fan, der wahrscheinlich auch ohne den `Fänger` einen Grund gefunden hätte, auf sein Idol zu schießen.  Merkwürdig ist nur, dass er nicht der Einzige ist, der in dem Buch Antrieb zu Gewalttaten gefunden hat. Der satanische Sektenführer und Gewaltverbrecher Charles Manson bezeichnete sich selbst einmal  als „der Fänger im Roggen”. Lee Harvey Oswald, der Mörder von J.F. Kennedy war fasziniert von dem Buch, es stand im Regal von John Hinckley Jr, der das Attentat auf Ronald Reagan verübte und Theodore Kaczynski, besser bekannt als der Una-Bomber, hatte ebenfalls ein Exemplar in seiner Hütte. Aber woran liegt es, dass dieser Roman zu so etwas wie eine „Bibel” für psychopathische Killer wurde? Die Antwort darauf kann, wenn überhaupt,  nur aus Spekulationen bestehen.  Aber man kann versuchen,  nachzuempfinden, welche Faszination von diesem Werk  auf Gewaltverbrecher ausgeht. Das Buch handelt von dem sechzehnjährigen Holden Caulfield, der mit seinem Umfeld, seinen Mitmenschen und auch mit sich selbst nicht zurecht kommt. Er verachtet die Leute um sich herum (bis auf sehr wenige Ausnahmen), nennt sie „Phonies”, da sie eigentlich nur Teil  eines großen, verlogenen Spektakels sind. Holden wird als egoistisch, melancholisch, hilflos und vollkommen entfremdet geschildert. Ein typisches Motiv für den Autor Salinger. Er hat in seinem ganzen Leben nur vier dünne Bücher veröffentlicht, in denen die Verlogenheit und die daraus folgende Verachtung immer im Zentrum steht. Das Buch ist in der Sprache eines sechzehnjährigen geschrieben und Holden Caulfield bietet zweifellos, gerade für junge Menschen die sich schwer tun mit der Welt zurrecht zu kommen, eine extreme Identifikationsfläche. Salinger beschreibt seine Figuren treffend, und man erkennt sich irgendwie in den meisten Situationen wieder. Man ist Holden Caulfields Gedanken ausgeliefert, denn zweifellos; natürlich hat er Recht! Die Menschen waren schon immer verlogen, heuchlerisch und falsch. Das waren sie zu Abrahams Zeiten, das sind sie heute, da hat sich nichts geändert. Nur ist es für die meisten unter uns einfach, sich dem öffentlichen Schein zu beugen  und selbst Teil davon zu werden. Unsere Gesellschaft funktioniert nun einmal so. Wir gehen auf die Universität und tun so, als würden wir plötzlich mehr von der Welt verstehen als vorher, nur weil es alle um uns herum auch tun. Wir halten plötzlich schlaue Gespräche, benutzen schwierige Fremdwörter und versuchen zu allen wichtigen Themen eine eigene, fundierte Meinung zu haben, auch wenn wir nur schlaue Sätze aus irgendwelchen Büchern, Radio – oder Fernsehsendungen übernehmen. Für die meisten von uns ist dieser Weg ein ganz natürlicher, denn er ist der einfachste. Aber was passiert mit Menschen, denen es von außen verwehrt bleibt diesen Weg zu gehen? Was ist mit Menschen, die anders denken, Menschen, für die ganz andere Dinge wichtig sind, wie Ausbildung, Schule, gebildet sein etc. Menschen, die sich nicht einordnen können, Typen wie Holden Caulfield. Die Antwort darauf ist einfach; sie gehen bis auf wenige Ausnahmen unter. Und für solche kann die Schule die Wurzel allen Übels sein. Hier wird den Kindern von Anfang an deutlich vermittelt, ordne dich ein, oder geh unter. Das ist heute noch so, aber vor vierzig Jahren (zur Zeit, als Chapman die Schule besuchte)  war das noch viel krasser. Nun ist der Fänger im Roggen, seit etlichen Jahren an den meisten amerikanischen Schulen Pflichtlektüre. Schüler im Alter von ungefähr sechzehn Jahren bekommen Holden Caulfields Ansichten um die Ohren gehauen. Hermann Hesse schrieb:
    „In einer problematischen Welt und Zeit kann Dichtung nichts höheres erreichen. Keine andere Romanfigur durchlebte und durchlitt den Schmerz erwachsen zu werden, so eindringlich und symbolkräftig dargestellt wie Salingers jugendlicher Held Holden Caulfield, der zum Mythos, zum ersten Pop – Star der Weltliteratur wurde. Wenn man jung ist, gibt es Dinge, nach denen das Leben nicht mehr so ist wie vorher: Der erste Kuss, das erste Geld, die erste Droge, der erste Sex und der Fänger im Roggen”
    Kein junger Mensch der den `Fänger` liest bleibt unberührt, aber normalerweise schaffen wir es, den normalen Pfad nicht zu verlassen. Viel zu viel Druck, Erwartung und Vertrauen wirken auf uns von außen ein. Stellen wir uns Marc David Chapman vor. Ein zutiefst verunsicherter Mensch, der sein ganzes Leben versuchte Anschluss zu finden und ihn nirgends fand. Er bekommt plötzlich den `Fänger` in die Hände; eine wahre Offenbarung. Er ist plötzlich nicht mehr allein. Da gibt es jemanden mit denselben Problemen, jemand der einen bestätigt, jemand der die ganzen Affen um sich herum verachtet und bloßstellt. Auch wenn es psychologisch gewagt ist, so denke ich doch behaupten zu können, dass alle oben genannten Mörder eines gemeinsam haben: Sie alle wurden von der Gesellschaft ausgegrenzt, und alle waren dazu bereit, für ihre jeweilige Überzeugung andere Menschen zu töten! Auch wenn es natürlich eine absolute Fehlinterpretation ist, im `Fänger` einen Aufruf zu einer Gewalttat zu finden, so ist es dennoch möglich! So wie Holden Caulfield Robert Burns Gedicht `Comin`Thro`the Rye`, falsch interpretiert, und sich demnach als `Fänger im Roggen` fühlt, so ist auch eine für den Leser falsche Auslegung des Buches nachvollziehbar. Es wäre  sicher interessant herauszufinden welche, und vor allem wie viele jugendliche Amokläufer auf amerikanischen Schulen vorher den `Fänger` in den Händen hatten! Und natürlich muss man zum Abschluss darauf achten, dass die Menschen, und gerade die Amerikaner Spezialisten darin sind, Dinge zu mystifizieren. Bei Chapman war die Parallele zum `Fänger` eindeutig. Aber Charles Manson dachte auch in den Beatles Song „Helter Skelter”,  den Weltuntergang hinein interpretieren zu können. Bei ihm kann ich mir vorstellen, den `Fänger` nur erwähnt zu haben, weil es Killer vor ihm getan haben. Bei den anderen Mördern fand man Salingers Roman im Bücherregal. Der könnte dort ja auch einfach so gestanden haben, als ein Überbleibsel aus der Schulzeit. Ich persönlich glaube, dass auf jeden Fall ein Zusammenhang besteht, empfehle jedem jedoch das Buch selbst zu lesen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Und auch wenn nicht, lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall! ▶▶


    Veröffentlicht vor 41 Jahren



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Fabian Clemens Oppolzer
aka Fabian 
16 Beiträge // 4 Kommentare // Registriert: 12.01.2010


Wien

Student
Fabian sagt
Zum Artikel FLUT Zweiter Teil, Folge 9/49
"tut mir leid, für die längere pause, aber ich wohne in feldkirch leider ohne internet, versuche aber jetzt wieder regelmäßig zu posten. und vielen dank an alle, die sich die mühe machen es trotzdem zu lesen;-)"
10.08.2010 um 01:44 Uhr
Zum Artikel Helmut Seethaler und das MQ
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie den Dichter in Knast stecken. Ich meine, wenn das wirklich die 3500 Anzeige ist, hat man ja auch vorher schon ein Auge zugedrückt..."
31.05.2010 um 03:06 Uhr
Zum Artikel Speedcore auf der Leinwand
"also ich war gestern bei den animationsfilmen und war eigentlich kein schlechter film dabei... auf jeden fall lohnt sich ein besuch!"
31.05.2010 um 02:20 Uhr
Zum Artikel SINTFLUT - Ein Wort zum Geleit
"Selbstverständlich! Was Mord, Inzest, et cetera angeht hab ich versucht genauso grausam zu sein, wie das Vorbild. Mit der Gerechtigkeit ist das allerdings so eines Sache..."
30.05.2010 um 17:17 Uhr