Wer herrscht denn heutzutage noch über wen? Könnte man sich fragen. Diejenigen die über unsere Zeit verfügen über Diejenigen die vor allem Zeit brauchen...
Es ist schon fast komisch. Da berichten allenthalben renommierte Blätter über junge Menschen (Zeit), es gibt Studien und Expertisen (Pisa/EU) - kurz: jeder will mitreden wenn das Thema Bildung auf den Tisch kommt. Seltsam nur wie wenig Stimmen aus den Reihen des eigentlichen corpus delicti, also von Schülern, Studenten etc. selbst zu finden sind. Brav stehen die Studienvertretungen für hehre Ziele wie Abschaffung der Std. Geb. und Ähnliches ein doch die Ergebnisse bleiben die gleichen: immer weniger Studierende bringen es zu einem abgeschlossenen Studium. Und weiter setzt die Politik das Wort Bildung dermassen inflationär ein, das man sich wundern muss, wo denn nun eigentlich das Problem liegt.
Übersehen wird hierbei leider allzu oft ein ganz einfacher Aspekt: Studieren ist schlicht und ergreifend teuer. Vorbei die Zeiten des Studenten der auf seinem Fahrrad gemütlich zur Uni tukkelt, der in der Bar Kneipe sitzt und über Gott und die Welt philosophiert. Vorbei die Zeit des Studenten der tatsächlich studiert. Wer auf Wikipedia studieren in die Suchleiste eingibt erhält zur Antwort:
Es existiert kein Artikel mit dem Namen studieren. Eine seltsam bezeichnende Tatsache für unsere so oft beschworene Informationsgesellschaft. Etwas weiter kommt man mit dem Wort Studium. Das
Studium (lateinisch studere: (nach etwas) streben, sich (um etwas) bemühen
Studieren heisst also sich um etwas bemühen. Damit lässt sich schon etwas mehr anfangen. Leider scheint es jedoch so zu sein, dass dieses Bemühen in unserer Gesellschaft nicht sehr hoch anerkannt wird. Gerade eben erst verabschieden die Regierungen ein mehrere Millarden schweres Finanzpaket als Hilfe für die Banken welche sich wohl auch um etwas bemüht haben. Wir bemühen uns brav weiterhin vor allem um Aspekte des Alltags: Miete bezahlen, Essen bezahlen, Rechnungen bezahlen, dabei nicht den Kopf zu verlieren und nicht zu viel konsumieren.
Die Frage ist nur um was man sich denn nun bemüht. Wenn man sich bemüht aus Geld, immer mehr Geld zu machen stellt sich die Frage, woher denn nun eigentlich das Mehr kommt. Wer sich einmal umschaut wird feststellen, dass überall der Konsum und der Aufruf dazu die eigentlichen Herrscher sind. Und damit nicht genug. Die Bürokratie des gewählten Herrschers (wenn man das so sagen will), also des Staates, erdrückt jeden Versuch ein eigenständiges Leben zu führen mit der Beweislast, dass man Studiert.
So sehr man sich auch bemüht, also so sehr man auch studiert. Ohne gut bezahlte Jobs oder wohltätige Eltern ist ein Studium heutzutage eine schwierige und teure Angelegenheit. Und wer es nicht in der errechneten Zeit schafft, der wird bestraft, da er sich ja nicht bemüht hat. Kindergeld adé, Bafoeg adé. Oje, oje.
Eines jedoch scheint klar zu sein: wer sich nicht vor allem darum bemüht die Gunst des Herren zu erlangen der bekommt Probleme. Wer ist der Herr? Wer der Bittsteller?
Ich geh los und such mir einen zweiten Kellner-Job. Da herrschen klare Verhältnisse.
Text: Elmar Höfflin
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Veröffentlicht vor 41 Jahren