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5 Wie geht es weiter mit #unsereuni?Die Studentenproteste sind mittlerweile schon einen ganzen Monat alt und, wer hätte das dieser Bewegung zu Beginn zugetrautet, immer noch im Gange. Freilich sind die sichtbaren Studenten im Audimax weniger geworden, einfach weil ein derartig langes Durchhalten nur für die Wenigsten (und jetzt bitte nicht die Faulsten sagen) möglich ist. An Struktur und Organisation hat die Bewegung aber keineswegs eingebüßt und noch immer finden täglich Veranstaltungen, Vorträge, Diskussionen oder Konzerte statt. Die Nachricht vom Protest der Studenten hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet und mittlerweile Hörsäle in ganz Europa und sogar bis hin über den Atlantik erreicht.
Von Politikverdrossenheit und dem Desinteresse der Jungen ist nicht mehr viel zu hören, liefern sie doch täglich den Gegenbeweis im Web 2.0 in beeindruckender Form, sodass die gesamte Medienlandschaft nur blöd zuschauen kann. Das Schwarz-Weiß-Denken so vieler hat sich hingegen - bedingt durch die Medien, wen sonst? - eher noch verfestigt und österreichisches Niveau erreicht. Da ist keine Zeit für eine Recherche, da wird gelesen und einfrig nachgeplappert, selten ein Schritt zurück gemacht und Abstand gewonnen.
Im Gespräch mit anderen Studenten bekam ich oft das Argument zu hören, es passiere jetzt sowieso nichts, und im selben Atemzug wird von faulen Linken (Che Guevara Plakate etc.) gesprochen. Nicht alle Forderungen der Studenten sind zielführend und realistisch. Ich sehe viele Grafitis an den Wänden und denke mir, dass diese Sprüche die Studierenden in ein schlechtes Licht rücken. Ich sehe auch Bewegungen, die eine Bildungsdebatte für eigene Anliegen missbrauchen, und der Stereotypisierung ein gefundenes Fressen sind. Aber es gibt immer Menschen in einer Bewegung, die sich nicht für das eigentliche Ziel - eine gesamtgesellschaftlichen Debatte über das Bildungssystem - einsetzen, und die mutigen Anstrengungen vieler als aufmüpfiges Kasperltheater erscheinen lassen.
Ganz egal welcher Weltanschauung nahe und welchen Forderungen zugestimmt oder entgegengetreten wird, den allgemeinen Gesellschaftsdiskurs über ein versumpfendes Bildungssystem haben die Studenten bewegt.
Sie haben stark auf die schlechten Bedingungen der Studenten in Österreich hingewiesen und die Debatte um einen internationalen Anschluss angestoßen. Es geht konkret um eine drastische Erhöhung des Budgets und keine ständig wiederkehrende Diskussionen über 150 Millionen an Studiengebühren oder lieber doch nicht. So etwas ist politisches Geplänkel, eine Diskussion wie sie in Österreichs Politik nur selten sachlich und zukunftsorientiert geführt wird, sondern immer wieder beleidigt eigenbrötlerisch und fern jeder Vision in eine Sackgasse führt. 2 % des BIP für die Ausbildung sind langfristig die einzige Möglichkeit konkurrenzfähig zu bleiben, Studiengebühren ein kleiner Teil davon. Das ist ein Fakt und daran führt einfach kein Weg vorbei.
Diesen Schritt und diese Verständigung haben die Studenten vermittelt und medial breitgetreten. Jetzt liegt es an der Politik einzugreifen und nicht erst zu spät wieder zu reagieren. Alles was jetzt noch passiert ist kein Versagen der Studierenden, es ist einzig und allein die Ängstlichkeit der Politiker vor tiefgreifenden Maßnahmen (irgendwoher muss das Geld schließlich kommen), und Änderungen eines schlichtweg überforderten Systems. Die Forderungen gelten nicht ausschließlich für die Unis, quer durch das ganze Bildungssystem ist ein Neudenken notwendig, angefangen bei den Kindergärten und Kinderkrippen zur gelebten Gesamtschule und wieder zurück.
Was mich persönlich gerade etwas bedrückt ist der von Johannes Hahn initiierte Hochschuldialog” und die am gleichen Tag abgehaltene Co-Veranstaltung der Studierenden der echte Bildungsdialog”. Beide sind für Mittwoch angesagt, nur scheint es so, dass der von den Studierenden organisierten Veranstaltung wohl wichtige Politiker und Universitätsvertreter fernbleiben werden. Wäre es nicht besser, dass Angebot Hahns anzunehmen und an einem Tisch zu verhandeln, als das Risiko einzugehen, zum Opfer konservativer Medien gemacht zu werden?
Die Studenten haben meine Bewunderung für ihren offenen, basisdemokratischen Zugang, aber das hier könnte sehr schnell in die entgegengesetzte Richtung umschlangen. Schlussendlich spricht auch der Faktor Zeit gegen die Studenten. Ist einmal erst Weihnachten und vorausgesetzt, die Proteste haben einen so langen Atem, ist fix für zwei Wochen Schluss. Und dann wird die Thematik erst recht verdrängt. Ich glaube an die Prinzipien und das Plenum im Audimax hat mich manchmal euphorisch gestimmt, zeigte sich da eine Form der Demokratie wie wir sie in der aktuellen Politik schon lange vermissen, aber im Sinne der Sache ist es nun an der Zeit zu bestimmen und einzufordern und dabei konkret zu werden. Um das zu erreichen muss auch ein Schritt in Richtung Politik gemacht werden, ansonsten bleibt von der angestoßenen Debatte für Österreich nur wenig bis gar nichts übrig.
Kommentare erwünscht, was denkt ihr über den Verlauf der Proteste?
Unsere Uni
Bericht aus dem Audimax Link zum Kopieren und Verbreiten: Artikel erstellt am 25.11.2009 um 09:21 Uhr 55 Views, 5 Kommentare, 0 mal in den Favoriten ![]() Kommentare 5 Kommentare zu diesem Beitragtraurig aber wahr: aus den medien aus dem sinn... nana, lieber daniel. du meinst wohl: aus den traditionellen massenmedien fernsehen und tageszeitung, aus dem sinn.
ich für meinen teil informier' mich fast täglich im internet zu aktuellen geschehnissen rund um #unsereuni. die veranstaltungen sprechen mich nicht besonders an, bzw. hab ich momentan viel anderes um die ohren.
ich bin aber heilfroh, dass es genügend hochmotiverte menschen an unserer uni gibt, die die bewegung und besetzung durchziehen. auch wenn deren motivation mittlerweile auch etwas gedämpft ist.
würde man das audimax aber räumen, wär ich sofort als protestler da.
ich für meinen teil versuche meine mitmenschen vom ziel und der sinnhaftigkeit der bewegung zu überzeugen und leiste dadurch meinen beitrag. hab damit auch nicht mich persönlich gemeint. und auf die antwort hab ich gewartet, stefan... Ich fürchte die Bewegung überlebt den Winter nicht. Es wird kaum
jemand die Weihnachtsfeiertage in Hörsälen verbringen (oder doch?)
und dann wieder anzufangen sollte mangels motivation schwierig werden. Fehler im System...
Zügellos, unersättlich, gierig – Der Mensch wird gegenüber der Natur immer rücksichtsloser, weil er stoisch an der Makt… Es gab eine Sache, die begriff ich nicht: Der (Denk-) Fehler im System Bildungsstreik: Gefährliche Zugeständnisse – Bil... |
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