SINTFLUT - Ein Wort zum Geleit
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SINTFLUT - Ein Wort zum Geleit

Alles Action, prallvoll mit allem, was die Leser heute von einem richtigen Schmöker erwarten: Sex (jede Menge), Ehebrüche, Sodomie, Mord und Totschlag, Inzest, Kriege, Massaker usw.
Umberto Eco über die Bibel


Mit der Inspiration ist es so eine Sache. Sie existiert, aber sie findet einen meistens recht überraschend. Die zwei richtigen Drähte im Kopf treffen sich bei mir meistens beim Fernsehschaun oder kurz vor dem Einschlafen, aber immer, wenn ich nicht damit rechne. In den Nachrichten wurde von einem Hochwasser in der Türkei berichtet. Ganz Istanbul war unter Wasser. Aus den Straßen waren Flüsse geworden und dort mittendrin saß ein Mann auf dem Dach seines Auots und rauchte eine Zigarette. Ruhig und resigniert betrachtete er das Chaos um ihn herum.
Seit ich diesen Kerl auf seinem Auto mitten in der Flut gesehen habe, ließ mich das Bild nicht mehr los und ein Gedanke begann sich langsam zu festigen: Eines Tages beginnt es zu regnen. Es war nicht wirklich eine Idee, nur die Vorstellung einer Situation. Wie sähe die Welt wohl aus, wenn es nicht mehr aufhören würde zu regnen. Ich verdrängte die ganze Sache. Zugegeben, originell war sie nicht.Und neu schon dreimal nicht. Die Lust daraus etwas zu machen kam erst viel später, als ich mich intensiv mit dem alttestamentlichen Text über dieses Thema auseinandersetzen musste. Von Anfang an faszinierte mich die archaische Rauheit und Aussagekraft dieser Geschichte, auch, oder gerade weil ich mich nicht als sonderlich religiösen Menschen betrachte.

Die Bibel ist ein Buch voller Widersprüche und grausamer Abschnitte. Sei es die Sintflut, sei es die Geschichte von Elisa und den Bärinnen, die zweiundvierzig Kinder zerfetzen, nur weil sie den eben genannten Propheten als Glatzkopf beschimpft haben, sei es Sodom und Gomorrha, wo ein paar Schwule versuchen zwei Engel zu vergewaltigen, sei es die Geschichte von David und Bathseba oder die Episode in der Gott sein Volk aufruft die Kinder zu fressen. Die Taten der Erzväter und Mütter waren meist alles andere als ruhmreich und vorbildhaft.
In der Beschreibung der inneren und äußeren Merkmale der Figuren ist gerade die Bibel jedoch meist sehr zurückhaltend, was einen breiten Interpretationsansatz offen lässt. Trotzdem beschränkt sich die Zahl der als gerecht Bezeichneten im Alten Testament auf Drei: Noah, Hiob und Daniel. Alle anderen haben Dreck am Stecken und zwar gewaltig. Moses war ein Mörder, Joseph eitel, Jakob stritt mit Gott, David beging Ehebruch et cetera. Bei Adam und Eva angefangen setzt sich die Fehlerhaftigkeit der Charaktere des Alten Testaments durch.
Trotzdem, oder gerade deswegen, haben diese Geschichten bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren.
Ihre Aussagen sind zeitlos. Unsere moralischen Vorstellungen was einen gerechten Gott betreffen mögen sich eventuell verändert haben, nicht aber unser Bedürfnis genau solche Geschichten zu hören und zu erzählen.

Wenn man an die Sintflut denkt, denkt man auch an die Arche Noah und an die Bibel. Diese Umsetzung des Stoffes ist in unseren Breitengraden sicherlich die bekannteste, aber nicht die einzige und schon gar nicht die älteste. In allen Großkulturen unserer Welt wird von einer vernichtenden Flut berichtet und von einem Mann, der mit ein paar wenigen Auserwählten die sonst alles zerstörende Strafe Gottes, auf Grund seiner Tugendhaftigkeit, überlebt. In der Bibel heißt dieser Gerechte Noah, in der sumerischen Kultur Ziusudra, Atrachis im gleichnamigen akkadischen Epos und Enlil in der Gilgameschsage.
Die verschiedenen Erzählungen bieten auffällige Gemeinsamkeiten auf, dass die Vermutung nach einer gemeinsamen Quelle berechtigt ist. In allen Versionen werden die Menschen für ihre Lasterhaftigkeit bestraft und dafür von einer höheren Macht durch totale Vernichtung zur Rechenschaft gezogen.

Ein tolles Thema. Ich konnte mir vorstellen, dass es sicherlich viel Spaß machen würde, die Rahmenhandlung von Genesis 6 auszumalen, anhand dieser monumentalen Eckpfeiler eine neue Geschichte zu entwickeln. Sieben mal Sieben kurze, zusammenhängende Abschnitte über die Sintflut. Eines Tages beginnt es zu regnen...
Ich will damit niemanden kränken, oder irgendetwas irgendwie in Frage stellen, sondern bestenfalls unterhalten. Die Geschichte soll in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden. Ich freu mich sehr über jeden Leser und jeden Kommentar.







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Artikel erstellt am 26.05.2010 um 20:30 Uhr
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Kommentare
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2 Kommentare zu diesem Beitrag


Geht's in deiner Geschichte auch um Inzest, Mord und Gerechtigkeit? Ich freu' mich schon darauf.
28.05.2010 um 18:35

Selbstverständlich! Was Mord, Inzest, et cetera angeht hab ich versucht genauso grausam zu sein, wie das Vorbild. Mit der Gerechtigkeit ist das allerdings so eines Sache...
30.05.2010 um 17:17
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