VIS Vienna Independent Shorts 2015

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Am Mittwoch haben die Bosse der VIS – Vienna Independent Shorts bei ihrer alljährlichen Pressekonferenz das Programm für die heurige, mittlerweile 12. Ausgabe von Österreichs größtem Festival für Kurzfilm, Animation und Musikvideo bekannt gegeben. Eines kann man jetzt schon absehen: inhaltlich wie finanziell war man seit Jahren nicht mehr so gut aufgestellt.

Kein Filmfestival, schon gar kein Kurzfilmfestival, und wenn unbedingt welche dabei sein müssen, dann nicht mehr als einen Kurzfilmwettbewerb programmieren – diesen Tipp hat Daniel Ebner, seines Zeichens künstlerischer Leiter des VIS Vienna Independent Shorts Festivals einmal von einem niederländischen Veranstalter als Formel für garantierten Erfolg bekommen. Am Mittwoch Vormittag stand er hinter seinem Pult und warf einen Blick auf die zwölfte Saison eines heute fest in der Wiener Kulturlandschaft verankerten dreifachen Regelbruchs. Denn das Festival ignoriert derartige Credos seit über einem Jahrzehnt sehr erfolgreich.

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„Wir erleben gerade eine Blütezeit des Kurzfilms“ – Daniel Ebner, Künstlerische Leitung VIS
© VIS | Maren Jeleff

State of the Art

Das heurige Schwerpunktthema passt insofern gut ins Programm – „State of the Art“ ist nicht nur eine Frage nach dem aktuellen Status des Kurzfilms in Zeiten, in denen es auf der Welt gerade wieder rasant, blutrünstig, wahlweise pessimistisch, nihilistisch oder visionär sowie dys- wie utopisch um einen Drahtseilakt namens Zukunft der Menschheit geht. Nein: State of the Art ist mit voller Absicht und ohne Bescheidenheit auch das Festival selbst. Ganz besonders merkt man das abseits der – im Wissen um die internationale Reputation dieses Events geradezu mit Einreichungen überfluteten – Wettbewerbe in den Spezial- und Nischenprogrammen, die in diesem Jahr so effektiv und spannend wie seit Jahren nicht die Grenzen und Möglichkeiten des Kulturphänomens „Festival“ ausloten. Ganz abgesehen davon, dass man mit dem Sundance-Gewinner und Oscar-Nominee Don Hertzfeldt die personifizierte filmische Hochkultur als Stargast nach Wien holen wird. Nur damit man sich der Relationen bewusst ist: das ist ungefähr so, wie wenn die Salzburger Festspiele es schafften, den Karajan zu reanimieren.

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„Das Festival wächst und gedeiht“ – Benjamin Gruber, Geschäftsführung VIS
© VIS | Maren Jeleff

Bounce und Bombast

Das Ganze en detail: da kehrt das Festival etwa nach Jahren des Notbezugs im Gartenbaukino und des Einnistens in das gesiedelte Stadtkino im Künstlerhaus endlich wieder in das renovierte und ausgebaute Metro Kinokulturhaus zurück – und hinterlässt mit einer archivalischen Performance des schottischen Kollektivs Screen Bandita aus alten, mit Live- und Grammophon-Musik kombinierten Dias, Super8-, 16mm- und anderen in Abstellkammern, Dachböden und Kellern vergessenen Analogfilmen sowie einer Loop-Installation der diesjährigen VIS-Artist-in-Residence Christina Picchi – von der auch der heurige Festivaltrailer stammt – tiefe Spuren kreativer Zweckentfremdung.

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Bildmitte: Christina Picchi
© VIS | Maren Jeleff

VIS Vienna Independent Shorts TRAILER 2015
© Christina Picchi

Die im letzten Jahr nur wenig spürbare und eher im Zeichen schüchternen nebeneinander Sitzens stehende Kooperation mit den Wiener Festwochen hinterlässt dieses Jahr mit dem gemeinsam gestalteten Ausstellungs-Hybrid U/TROPIA und der Rückkehr des Liegekinos deutlich mehr Präsenz im Programm. Mit dem mobilen Stadtlabor der TU Wien am Karlsplatz wurde ein neuer Ort für Diskussion, Entdeckung und Entspannung bezogen. Und nicht zuletzt wurden auch die Aktivitäten abseits des Festivals weiter verstärkt: die im letzten Jahr neu gegründete Vienna Shorts Agentur wird von Mai bis Oktober eine Neuaflage der Kurzfilm-Kooperation mit ZEIT-ONLINE starten, ist als Programmkurator beim Silent-Cinema-Projekt Kino am Naschmarkt dabei, veranstaltet zum bereits dritten Mal das Cat Video Festival und veranstaltet im Rahmen der WIENWOCHE erneut einen Screening-Walk mit der Hamburger Künstlergruppe A Wall is a Screen. Das alles zusammen kommt so bombastisch daher wie US-amerikanischer Twerk-Hip-Hop. Ach ja, und nochmal: Don Hertzfeldt! Zwei Spotlight-Programme und eine Masterclass mit dem Stargast himself werden im Filmmuseum stattfinden.

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Daniel Ebner – Künstlerische Leitung VIS / Julia Fabrick – Leitung Vienna Shorts Agentur / Benjamin Gruber – Geschäftsführung VIS
© VIS | Maren Jeleff

Es geht bergauf, irgendwie

All diese Kooperationen, Innovationen und Mutationen werden nun endlich auch von den Fördergebern registriert. Waren Programmpressekonferenzen der VIS Vienna Independent Shorts in den letzten Jahren immer wieder auch Anlass zur Kritik an der trostlosen Film- und Filmkulturförderung in Wien und Österreich, so konnte man heuer ob der Erhöhung der Förderungen durch Stadt und Filminstitut zumindest ein Aufatmen verkünden. Es geht bergauf, irgendwie, und das konnte man auch spüren. Die Herren Chefs, Benjamin Gruber und Daniel Ebner, hätten am Mittwoch statt der Programmpräsentation auch Rezepte á la „Oma Wildmoser kocht Deftiges aus Niederbayern“ vorlesen können, und man wäre immer noch begeistert gewesen über das, was das Festival heuer zu bieten hat.

VIS Festivalblog 2015

RA DI CAT - Der Blog zum Festival

Aus diesem Grunde ist die Freude groß, dass das Denkfabrikat heuer bereits zum dritten Mal  als offizieller Festivalblog der VIS Vienna Independent Shorts auftreten darf. Und nicht nur das: in Kooperation mit dem mittlerweile für den österreichischen Musikvideopreis nominierten Filmemacher und Video Artist Eyup Kus, der schon letztes Jahr mit seinem VIS 24/7 Festival-Vlog für Lustschweiß und Ekstase unter den VIS-Mitarbeitern gesorgt hat, werden wir heuer auch die offizielle Festivaldoku produzieren. Es wird also wieder alles (ge)geben: Berichte, Interviews, Fotos, Videos, kalte Schultern und heiße Nächte, Dramas und Explosionen und alte Frauen mit Gehstöcken, deren Hunde in die Wiese kacken. Das alles unter den wachsamen Augen unserer eh schon immer da gewesenen Werbekatze – ganz nach dem Motto „never change a winning meme“.

// VIS VIENNA INDEPENDENT SHORTS //
12. Internationales Festival für Kurzfilm, Animation & Musikvideo
26. – 31. Mai 2015

// ERÖFFNUNG //
26. Mai 2015 / 19:30 / Gartenbaukino
21:30 / Opening Party / philiale
Klub Fraktal x Lampenschirm / DJs: Sebastian Oberst, Fabian Moos, Ken Hayakawa

// LOCATIONS //
Gartenbaukino & philiale
Stadtkino im Künstlerhaus
Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus
METRO Kinokulturhaus
Österreichisches Filmmuseum
Mobiles Stadtlabor
Club U
brut

// TICKETS & INFOS //
– Einzeltickets / 8,50,- / 7,- ermäßigt (Infos hier) / 4,- ermäßigt bis 18 J.
– Tickets für U/TROPIA (Ausstellung) ab 16. Mai vor Ort / 5,- regulär / freier Eintritt mit Wiener Festwochen- oder VIS-Ticket
– Festivalpass / 42,- (erhältlich bis 22. Mai)

– Festivalpässe nur auf viennashorts.com / erhältlich solange der Vorrat reicht / Gültig für alle Veranstaltungen außer Galas
– VVK seit 6. Mai / VVK online auf viennashorts.com und in den Veranstaltungsstätten
– Bei Kauf von Karten im Österreichischen Filmmuseum gelten Preise und Reglement des Österreichischen Filmmuseums

VIS Artwork – design by diffuse

Veröffentlicht von

herrsebastian.at

Philosophisch geprägter Theater-, Film- und Medienwissenschafter mit Skills in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Administration und Kommunikation, sowie leidenschaftlicher Autor, der sein Talent auch mal zu Geld macht.

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