Jetzt aktuell! Spät aber doch klinkt sich Das Denkfabrikat in die Diskussion und Berichterstattung über die Besetzung des Audimax Wien und die daraus resultierenden österreichweiten Studentenproteste ein. Michaela Pichler und Reiner Kapeller fanden sich zu Mittag im Audimax ein und versuchen im Folgenden ihre Eindrücke zu schildern.
Fotos von Dominik Gubi
Livestream aus der Universität Wien Michaela: Zu Beginn der Besetzung des Audimax der Universität Wien war ich mehr als unsicher, was ich von der Aktion halten soll. Mittlerweile habe ich mich schon mehrmals unters Besetzervolk gemischt, mich mit der Berichterstattung und den verschiedenen Meinungen rund um #unibrennt beschäftigt und obwohl ich auch Kritkpunkte habe, finde ich im Großen und Ganzen, dass es höchste Zeit war. Auch Kritiker der Aktion befürworten prinzipiell Forderungen die gestellt werden, sprechen sich aber gegen die Art und Weise des Protestes aus, da der Studienbetrieb im Audimax nicht fortgesetzt werden kann. Was genau durch diese Protestaktion erreicht wird ist noch nicht absehbar, aber ist nicht schon der Diskurs der nun endlich eingesetzt hat die Unannehmlichkeiten wert?
Das Denkfabrikat im Arkadenhof (Foto: Stefan Meier)
In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die Uni als Location für eine ausgelassene Party genutzt – was in den nächsten Tagen auf allen Ebenen heftig diskutiert wurde. Das Denkfabrikat feierte mit und die Dj´s Pfefferminz und Gru (Das Denkfabrikat) verwandelten mit einer Menge anderer Dj´s den Arkadenhof in einen Dancefloor. Zu betonen ist, dass alle Beteiligten sehr darauf bedacht waren, keine Sachschäden zu verursachen. Leider gibt es immer „schwarze Schafe”, die ihre Finger nicht von der Spraydose lassen können. Der Problematik wurde von den Besetzern auch umgehend entgegengewirkt, Putztrupps organisierten sich, Graffitis wurden soweit als möglich entfernt, sogar Spenden für die externen Reinigungskräfte der Uni Wien wurden gesammelt. Man kann den Besetzern also keinesfalls vorwerfen, unorganisiert oder gar bloß betrunkene Linkslinke zu sein. Die Frage ob es Party geben soll beantworte ich eindeutig mit ja, solange der Rest der Zeit genutzt wird um zu arbeiten-und das ist ja völlig gegeben. Menschen die behaupten die Besetzer würden nur Bier trinken und rauchen muss ich eine klare Abfuhr erteilen. Es ist jetzt fast 15 Uhr und ich sehe keine einzige Bierdose, keine Zigarette sondern Vorträge und Diskussionen. Dass man zwischendurch mal etwas abschalten und feiern muss, finde ich nur logisch. Dass diese Besetzung die völlig spontan und unorganisiert begann nun einen derartigen Erfolg verbucht ist Grund genug zu feiern.
Foto: Dominik Gubi
Völlig klar ist, dass eine Aktion wie diese eine höchst kontroverse Diskussion auslöst – und das ist gut so. Ohne Diskussion, ohne Kritik kein Fortschritt. Trotz einer überraschend guten Organisation tun sich natürlich Probleme auf. In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des Pressezentrums wurde uns bestätigt, dass jegliche Arbeiten absolut basisdemokratisch ablaufen sollen. An und für sich eine gute Sache, ob derartiger Idealismus den Informationsfluss nach außen fördert ist allerdings fraglich, denn keiner fühlt sich wirklich zuständig alle Presseaktivitäten zu vereinen und nach außen zu vertreten. So wanderte ein ORF-Mitarbeiter durchs Audimax um einzelne Meinungen zu sammeln, da er im Pressezentrum vergeblich nach einer Ansprechperson gesucht hat. Meiner Meinung nach widerspricht es keiner Demokratie, wenn es eine Person gibt die einfach alle Aktivitäten und Meinungen nach außen repräsentiert. Die Konzentration auf neue Medien wie Facebook, Twitter etc. – so effizient und breitenwirksam sie auch sind- erreicht eben größtenteils nur junge Menschen. Solange sich niemand eingehend mit der Presse beschäftigt, trägt diese natürlich nur Informationen nach außen, die sie eigenständig findet und vielen Menschen bleiben die eigentlichen Anliegen verborgen. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle allerdings die Berichterstattung auf derstandard.at.
Foto: Dominik Gubi
Überwiegend ist aber die erstaunliche Entwicklung der letzten Tage, die eine Organisationsstruktur hervorgebracht hat, die quasi von Stunde zu Stunde immer effizienter und strukturierter vorgeht bewundernswert. Reiner: Die Struktur der Studentenbewegung ist sehr verzweigt. Derzeit tummeln sich rund um die Uni 78 Arbeitsgruppen die Forderungen formulieren. Eine beachtliche Zahl, die viele Interessen und Teilbereiche zu vereinen versucht, auf den ersten Blick jedoch unüberschaubar wirkt. Sie ist nicht kompatibel mit kurzen Medienberichten und nur schwer als Ganzes fassbar. Sie ist nicht reduzierbar auf eine Person, eine Aussage oder eine Aktion. Mehrfach wurde in den letzten Tagen vorgeworfen, dass es keine zentrale Stimme gäbe und die Bewegung daher bald abebben würde. Nun ist es richtig, dass es keinen Vorsteher gibt, dass es sich um eine spontane Aktion der Studenten hält. Dieser Bewegung aber als orientierungslos abzustempeln und zu sagen, es fehle ihr an Organisation ist schlichtweg falsch und zeugt nur vielmehr von der Unfähigkeit der Medien sich auf veränderte Umstände einzustellen.
Foto: Dominik Gubi
Die Unzufriedenheit mit den derzeitigen Bedingungen führte zu den Protesten, die noch immer auf Gehör aus der Politik warten. Die Anliegen werden solange ausgearbeitet und konkretisiert und sind manchmal auch erst dabei, eine Form zu finden. Dass nicht unbedingt eine Person vorsteht und das Gesicht des Protestes mimt, lässt einen zerstreuten ersten Eindruck und eine verzerrte Wahrnehmung entstehen. In Wirklichkeit ist die Zusammenarbeit aber sehr eng miteinander verbunden und darum bemüht Interessen zu vereinen. Jeder Tag führt zu neuen Aufgabenbereichen, Diskussionen werden vielseitiger und neue Herausforderungen müssen verhandelt werden. Ein Vorteil der Bewegung ist die Unabhängigkeit. Die auf den ersten Blick kopflos orientierten Studenten vernetzen sich gemeinsam und sind ständig über weitere Entwicklungen informiert. Daraus kann eine sehr flexible und vor allem zähe Bewegung entstehen. Ein Einwurf aus dem Podium zeigt selbstbewusste Studenten. Auch wenn es zu einer Räumung kommt, kann das Audimax auch zukünftig immer wieder besetzt werden, spontan und gut organisiert. Auch wenn es ein angestrengter Vergleich ist, die Aktionen der Studenten erinnern entfernt an Guerillataktiken, die ein System blockieren können. Nach und nach sympathisieren sich somit Gruppen in ganz Österreich.
Foto: Dominik Gubi
Die nächsten Tage werden über die Zukunft der Bewegung entscheiden. Johannes Hahn weigert sich bis jetzt in Gespräche mit den Studenten im Audimax zu treten. Ansprechpartner ist für Hahn noch immer die ÖH und es entsteht der Verdacht, dass diese Taktik des Abwartens die Studentenbewegung schwächen soll. Auf die Einladung der Studenten an den Wissenschaftsminister ist aktuell noch keine Antwort des Ministers zu hören. Wahrscheinlich spielt Hahn mit seiner Verzögerung auf Zeit, und spekuliert auf ein sich selbst ausblutende Protestbewegung. Genau darin, im Warten liegt aber auch der Fehler dieser bei früheren Bewegungen erfolgreichen Taktik. Denn wie es aussieht, machen die Studenten täglich mehr auf ihre Anliegen aufmerksam und sind von ihren Vorhaben sehr überzeugt. Das Verharren der Politik ist ihr Antrieb. Links zum Thema: Forderungskatalog der Besetzer Offizielle Homepage: unsereuni.at Fotos von Dominik Gubi


Artikel erstellt am 27.10.2009 um 00:59 Uhr // 723 Views





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3 Kommentare zu diesem Beitrag


Ich bitte um feedbacks später zum aktuellen Plenum, bin leider nicht dort! Danke
27.10.2009 um 20:50  

Hat nicht gerade "dasdenkfabrikat" die hallen der alma mater als location für eine Auflegerei und Promotion ihrer Djs genutzt? Party war überall, doch keiner hat sich abseits von politischer Debatte und Diskussion in den Arkadenhof zurückgezogen. Seit ihr nicht mitverantwortlich für den schlechten ruf, mit dem wir in den medien zu kämpfen haben?
28.10.2009 um 13:41  

1.: Promotion unserer DJ´s ist etwas übertrieben. Unsere DJ´s haben gemeinsam mit anderen DJ´s aufgelegt. Irgendjemand (nicht Das Denkfabrikat) hat seine Technik angeschleppt und die haben viele Leute genutzt um Musik zu machen - unsere DJ´s waren da nur 2 unter ca. 10. Offensichtlich hat es den Eindruck erweckt, dass diese Gruppe im Arkadenhof vom Denkfabrikat organisiert wurde. Ich möchte hiermit klarstellen, dass das nicht so war. Wie überall anders in der Uni in dieser Nacht haben sich Menschen spontan irgendwo zusammengefunden und gefeiert. Warum wir eine kurze Zeit (in der gerade unsere beiden DJ´s aufgelegt haben) unsere Logos präsentiert haben, mag schon aus Promotionzwecken passiert sein, aber weniger für die DJ´s und mehr für unsere Seite und den Verein. 2.: Ob man die Party allgemein gut oder schlecht findet, das sei jedem selbst überlassen. und ich habe in dem Artikel auch eindeutig gesagt, Party ja, solange nichts beschädigt wird bzw. die von einigen wenigen verursachten Schäden so gut es geht bereinigt werden und der Rest der Zeit genutzt wird um produktiv zu arbeiten. Und falls jetz weitere Vorwürfe kommen - ich hab auch schon zum Besen gegriffen und Dreck gefegt. Und ich glaube Das Denkfabrikat kann sich nicht vorwerfen lassen, sich vor schwierigen Themen zu drücken und lieber abzufeieren, wenn man sich viele unserer Artikel ansieht.
28.10.2009 um 14:16