Schnitzelklopfer-Schmähs

Der eine könnte glatt als Falco-Lookalike durchgehen, der andere hat dauernd ein breites Grinsen im Gesicht. Genau genommen haben sie das beide, wie die Gelfrisuren. Andi und Alex bieten in ihrer Sendung "Frisch gekocht" das, was sich vom ORF so viele wünschen: Eine werktägliche Koch-Show mit österreichischem Charme, stilsicherer Professionalität, herzlichen Macho-Sprüchen und Lausbubengeschichten als Würze. Nachmittags um viertel nach eins, wohlgemerkt.

Schelmisches Dauergrinsen und saftige Sickerschmähs - Oma gefällt das sicher, wenn sie denn so schnell hören kann, wie die beiden reden. Andi und Alex sind nicht einfach irgendwelche dahergelaufenen Fernseh- sondern wahnsinnig gut ausgebildete Spitzenköche. Andreas Wojta betreibt das bekannte Minoritenstüberl im 1. Bezirk in Wien, Alexander Frankhauser ist mehrfach ausgezeichneter Haubenkoch und Inhaber eines der höchstgelegenen Gourmetrestaurants Österreichs. Der ORF hat die beiden schon seit geraumer Zeit für sich entdeckt und gleich die Serienproduktion gestartet. Dazu meinen* die Promi-Köche: "Das Kochen macht uns auch nach 400 Rezepten immer noch riesigen Spaß." Schauspielern tun die zwei also nicht. Schnitzelklopfer-Schmäh, Schmalzfrisuren, Essen: Alles echt.
 "Andi hat den Turbosprech, Alex bremst eher früher", sind sich die Originale einig. Auf die Frage, ob denn richtige Österreicher nicht um Punkt 12 Uhr mittags essen sollten und warum die Sendung trotzdem erst um 13:15 Uhr läuft, meinten sie: "Weil alle um 12 Uhr essen, wollen wir ja, dass sie danach Zeit zum Fernsehen haben". Nun könnte man meinen, dass der Großteil der Bevölkerung um diese Zeit arbeiten muss. Weit gefehlt! Studenten stehen da erst auf, Pensionisten langweilen sich schon wieder, Arbeitslose warten auf bessere Zeiten, Hausfrauen und -männer haben sowieso nichts zu tun. Tatsächlich erreichen Andi und Alex mit ihrer Sendung im Schnitt 130.000 Zuschauer, das ist ein nationaler Marktanteil von über 20 Prozent. Sprich: Jeder fünfte Österreicher, der um diese Zeit fern schaut, sieht die Kochsendung. "Wir kochen für alle Mitglieder der Gesellschaft", sind sich die Köche sicher.
Das zeigt auch die Fanpost. Andi und Alex bekommen täglich einen ganzen (digitalen) Sack voll. Sehr viel querbeet. "Richtige Briefe bekommen wir im Zeitalter des Internets nicht viele, wahrscheinlich weil wir sehr viele junge Leute ansprechen. Auch Bastelarbeiten und Geschenke gibt's von unseren Fans." Was bitte schenkt man einen Fernsehkoch? Und noch wichtiger: Warum in Gottes Namen? Die Verehrerinnen werden's wissen.
Wer jetzt glaubt, dass die beiden abseits des Kochlöffelschwingens nichts von Tages- und Gesellschafspolitik mitbekommen, der irrt. Zumindest Andreas Wojta muss seine Küche dazu aber erst gar nicht verlassen. Anfang November wurde sein Minoritenstüberl (a.k.a Mensa des Wissenschaftsministerums) kurzzeitig von aufgebrachten Studenten der Theaterwissenschaft besetzt. Zumindest alle Tische. Ob er die Sorgen und Forderungen der Studierenden versteht? "So etwas kommt nicht alle Tage vor. Die Studenten haben ihre Anliegen vorgebracht und sind rechtzeitig vor meinem Mittagstisch wieder gegangen. Alle waren sehr freundlich und gesittet. Hoffentlich ändert sich deren Situation so, dass 'Besetzungen' im Minoritenstüberl nicht mehr notwendig sind."
Nebenbei erwähnt, waren da die letzten Wochen noch die Brachialhumoristen Stermann und Grissemann, die die Promiköche durch den spaßigen Fleischwolf pressten: "Ich musste feststellen, dass unsere Kochsendung jeden Tag im ORF um 13:15 Uhr parodiert wird. Das ist eine Frechheit", so Christoph Grissemann. Die "Mein Rührer!"-Geschichte ist damit wohl gemeint, Teil ihres Bühnenprogramms. Was dann geschieht, ist einfach nur köstlich: Stermann und Grissemann äffen Andi und Alex in "Willkommen Österreich" spät nachts im ORF nach. Jenseits des guten Geschmacks und unter der Gürtellinie, wie man es von den Komikern gewohnt ist. Vielleicht sollten die richtigen "Andi und Alex" auch mal Eigenblutwurst mit Sauerkraut kochen. Aber ganz klar, dass diese Nachahmerei bei weitem nicht an das Original rankommt.
Die Parodie von Stermann und Grissemann wird dem Image der Promi-Köche trotzdem nicht schaden. Ganz im Gegenteil: Die Kochsendung wird in punkto Bekanntheit und Attraktivität bei jungem Publikum wahrscheinlich zulegen. Der ORF schafft damit scheinbar Unmögliches: Die Konvergenz von frühnachmittäglicher und spätabendlicher Unterhaltung in Kombination mit humorvoller Selbstreflexion.

*per E-Mail-Interview

Dieser Artikel ist auch im Landjäger Magazin erschienen.

Stefan G. Meier



Artikel erstellt am 04.03.2010 um 01:21 Uhr // 1421 Views





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3 Kommentare zu diesem Beitrag


super artikel stefan! :)
04.03.2010 um 20:23

a Traum, ma isch des guat!
12.03.2010 um 14:21

super artikel wir habens letztens auch mal geschaut und sie haben einfach einen super "schmäh". Aber mit der Meldung hätte dich meine Mutter (jetzt ist sie auch berufstätig) früher gekillt ;) :"Hausfrauen und -männer haben sowieso nichts zu tun." :D
12.03.2010 um 15:03