Paranoid Park

Wie in Trance wirkende Skateboard-Szenen, gedankenverlorene Nahaufnahmen und schockende Kurzmomente, das ganze verpackt in die Welt eines amerikanischen Teenagers, der von heute auf morgen in ein Loch fällt, dessen Ausgang er nicht zu sehen scheint. Das ist Gus van Sants Paranoid Park. Protagonist des Films ist Alex (Gabe Nevins), der seine Leidenschaft dem Skateboarden verschrieben hat. Zusammen mit seinem Freund Jared sucht er eines Tages den Paranoid Park in Portland auf, ein Treffpunkt und Fahrpark vieler Skater, die im Leben nicht viel Glück gehabt hatten. Alex fühlt sich von dieser leicht verruchten Atmosphäre sofort angezogen. Somit beschließen die beiden Freunde noch mal am darauffolgenden Samstagabend zurückzukehren. Jedoch fährt Alex schließlich alleine zum Skatergelände, denn Jared sagt ihm kurzfristig ab. In dieser Nacht passiert ein Unfall in der Nähe des Paranoid Park, bei dem ein Sicherheitsbeamter ums Leben kommt und in den Alex verwickelt ist. Der Film lädt ein, die Welt des Erwachsenwerdens zu erfahren. Oberflächlich gesehen werden typische Teenagerprobleme dargestellt: die Freundin, das erste Mal, die Scheidung der Eltern, die beste Freundin und schließlich die gewünschte Coolness, an der anscheinend alles abprallt. Zudem wirken die Schauspieler teilweise laienhaft, was damit zusammenhängen könnte, dass sie über die Internetseite „MySpace” gecastet wurden. Taucht man aber tiefer in die Materie ein, erlebt man eine Philosophie der Jugend und auch die Schauspieler verleihen mit ihrer Unprofessionalität einen unverblümten Realismus. Ein wichtiger Bestandteil des Films ist, dass der Protagonist das Geschehene niederschreibt. Das heißt, der Zuschauer bekommt direkten Einblick in die Psyche des Jungen. Auch die minutenlangen Aufnahmen von Gesichtern lassen eine genaue Beobachtung der Mimik zu. Auch der wirklich gute Soundtrack bereichert den Film: die Musikstile sind so unterschiedlich, sie reichen von klassischen Tönen bis hin zu harter Rockmelodie. Dabei unterstreicht die Musik jedes Mal die Szenen, besonders in den Zeitlupenaufnahmen der Skater. Die Szenen sind so unterschiedlich wie die Musik. Teilweise sind sie bewegungsreich, dann wieder ruhig, erzeugen Nachdenklichkeit oder einfach nur ekelerregend. Der Film bleibt dadurch spannend, dass er zeitverzögert erzählt wird. Erst in der Mitte bekommt der Zuschauer einen genauen Überblick darüber, was wirklich in der besagten Nacht geschehen ist. Teilweise werden Szenen auch doppelt gezeigt, aber der Zuschauer hat jeweils einen anderen Informationshintergrund dabei. Und die Moral von der Geschicht? Der Protagonist sieht keine Möglichkeit, über das Geschehen zu reden. Sein einziger Ausweg ist das Schreiben. Die Seiten werden am Ende des Films von ihm verbrannt. Platt formuliert kann gesagt werden, dass man über Probleme sprechen sollte und wenn man sie nur einem Blatt Papier anvertraut.
Worum geht es aber nun wirklich in diesem Film? Sind es nur die Probleme eines Teenagers, die wir ja nun schon mehr als genug in Filmen dargestellt bekommen haben? Meiner Meinung nach geht es um die Behauptung eines Jugendlichen in seiner Welt, die Suche nach dem Risiko, ein Schicksalsschlag, dessen Bewältigung. und der Einblick in die Seele eines Jungen. Paranoid Park ist ein interessanter Film, dessen Tiefe jedoch nicht auf den ersten Blick erkannt wird . Auf keinen Fall aber haben wir es hier mit einem klischeereichen und durchgekauten „Oh nein, nicht noch ein Teenie-Film” zu tun, dessen Ausgang wir von Anfang an kennen. Regie: Gus Vant Sant Darsteller: Gabe Nevins, Daniel Lin, Taylor Momsen (u.a.) Jahr: 2007 Land: USA Filmstart: 01.11.2007


Artikel erstellt am 14.07.2009 um 08:00 Uhr // 490 Views





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