Illbilly The K.I.T.T.: Didgeridoo zum Frühstück

Eine richtige Sau ist er. Ein Scheißmirnix. Aber feig schon auch. Sonstwürde er seine feuchten Tagträume nicht unter Pseudonym veröffentlichen. Noch dazu so einen.

Was haben japanische Touristengruppen mit Bukkake zu schaffen? Wussten Sie, dass es morgen leichter aus den Federn geht, wenn der Wecker 09.11, nine-eleven, anzeigt? Mit Rilke-Gedichten kriegt man keine Achtelerektion beim Urologen weg. Ebenso verpönt: sich Vollbäder beim Besichtigen fremder Wohnungen gönnen und harmlose Nonnen mit Genitaldampf belästigen.

Schon der vorangeführte Klappentext zeigt, mit was man es zu tun hat. Eine Kolumnensammlung der Know Nothing Gesellschaft. Wortgewandt werden Alltagssituationen, meistens sarkastisch, aus nihilistischer Perspektive beschrieben und es kommt einem beim Lesen so vor, als würde der Autor die Welt um sich herum so verachten, dass er sich den täglichen/wöchentlichen Zorn von der Seele schreiben müsste, sich selber dabei nicht ernst nehmend, andere schon gar nicht.  Nichts was er beschreibt kommt glimpflich davon. Die Wortwahl ist dabei so pervers und in ihrer Überspitztheit treffend, dass durch die doch brillante Formulierungsgabe so etwas wie Vergnügen aufkommt.

Das ist natürlich unterhaltsam und auch lustig, denn das Hauptaugenmerk der Texte ist auf die möglichst schockierende Sprache gelegt, die zugegebenermaßen gewitzt, sarkastisch und treffend eingesetzt wird. Und in der Formulierung liegt auch die ganze Kreativität der Texte.

Ob das provozierend sein soll, weiß ich nicht. Angriffe auf die Lifestyle-Welt sind ja bekanntlich alles andere, aber unterhaltsam ist es. Bei vielen Texten fühlt man sich eher bestätigt und sympathisiert trotz des zum Teil aufkommenden Ekels mit dem Autor. Sinn macht das für mich keinen, aber das muss es auch nicht.

Ein Buch, das die Welt nicht braucht, ganz eindeutig, aber dennoch ist es lesenswert. Die Beschaffung der Kolumnensammlung lohnt sich schon allein durch die phänomenalen Bilder von Jakob Kirchmayr, der den siebenundzwanzig Texten mit seinem unverwechselbaren  Pinselstrich eine schmutzige Ästhetik verleiht, die trotz ihrer Eigenständigkeit den Text kongenial erweitert. 



Artikel erstellt am 16.11.2010 um 12:49 Uhr // 2460 Views





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