Reform: Ich, die Kirche und mein Glaube

Früher war ich Ministrant. Nicht etwa während der Volksschule für drei Jahre oder so. Ganze zehn Jahre habe ich mit Überzeugung der Kirche gedient. Das war einmal. Heute unterstütze ich die AKS-Aktion "Hände falten, Goschn halten!", die geradeaus eine Trennung von Staat und Religion fordert. In Göfis, meinem Heimatort, gibt es keine Altersobergrenze für Gottesdiener. Die Kirchengemeinde ist äußerst lebendig, der Dorfpfarrer seit jeher sehr beliebt und einflussreich, die kirchlichen Feiern fix ins Dorfleben integriert.

Göfis hat sogar zwei Gotteshäuser
Meine Eltern lehrten mich - wie es sich gehörte - in die Kirche zu gehen, nahmen mich sonntags mit zur Messe und verkündeten mir das Wort Gottes. Christliche Feiertage wurden (und werden) in unserer Familie gelebt. Damals, als unerfahrener und ungebildeter Mensch, faszinierte mich die Macht, die Aura und die positive Energie, die von dieser Gemeinschaft ausging.  
Missionierung in der Volksschule Unsere Religionslehrerin nahm ihre Mission in der Volksschule sehr ernst, schwärmte von Gott und der Kirche. Ministrant zu werden, war damals schlichtweg IN. So wurde ich zu einem Kind Gottes ausgebildet, diente als Bub bei unzähligen Gottesdiensten, Taufen, Firmungen, Hochzeiten, Prozessionen und Beerdigungen. Ich war nicht nur dabei, sondern ein Teil des Geschehens.
Im Alter von vierzehn Jahren wird man in Göfis dann MAXIstrant. Alljährliche Ausflüge und Wirtshausbesuche inklusive Ehrung der Treuesten der Treuen vom Pfarrer persönlich halten die Diener bei der Stange. 40-jährige Tabernakeljünger sind zwar rar aber tatsächlich existent. Gefirmt wurde ich dann mit 16 oder 17. Der „lange Firmweg” führte zu mehr Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben und der bewussten Entscheidung pro Gott. Dass man mit zwölf und nur um der Geschenke der Verwandtschaft willen gefirmt wird, wurde in unserem Dorf schon abgeschafft. Gut so! So entschied ich mich selbst für den Empfang des Sakraments der Firmung und den Empfang des „Heiligen Geistes”. Ich war damals so überzeugt, dass ich bewusst auf einen Firmpaten verzichtete um zu demonstrieren, dass die Vertiefung meines Glaubens allein meine (und nur meine) Entscheidung ist. Dass mich meine Eltern andernfalls gelyncht hätten, hatte ich damals ausgeblendet. Sie waren ja schließlich auch meine Firmbegleiter...  
Job bei der Katholischen Kirche Vorarlberg Die letzten zwei Sommer kam es dann, dass ich in der Kommunikationsabteilung der KKV als gut bezahlter Ferialer angestellt wurde. Ich durfte ganze Doppelseiten für die Wochenzeitung „Vorarlberger KirchenBlatt” (ca. 50.000 Leser) befüllen, bekam einen Einblick in die Organisation einer mächtigen Diözese und war Teil einer gut funktionierenden und professionellen Kommunikationsabteilung. Im ersten Sommer lernte ich viel. Im zweiten Sommer kam ich zum Schluss, dass Auftragsjournalismus nichts für mich ist. Ich wollte nicht mehr schreiben und vermitteln, was eigentlich nicht meinen Einstellungen entspricht. Also auch etwas gelernt... Das Erlebnis aus dem letzten Sommer, das mein Vertrauen in die katholische Kirche schwer erschüttert hat: Die Jugend von heute: Alles Heiden? Da war dieser Feiertag. Ich war als Reporter für das Vorarlberger KirchenBlatt bei der Diözesanfeier zum Auftakt der Wallfahrtswoche auf dem Gebhardsberg zu Bregenz. Hunderte ältere Menschen, der Altersschnitt wahrscheinlich irgendwo zwischen 60 und 70. Der erste Gottesdienst für mich seit langem. Rund 20 Priester und hohe Persönlichkeiten des Dreiländerecks marschierten unter freiem Himmel zu Blasmusik auf - richtig groß inszeniert und doch schlicht. Erst nichts Außergewöhnliches. Fotos knipsen, Notizen machen, Menschenmenge schätzen, gut zuhören. Dann zur Predigt beim Aufnahmegerät auf REC drücken. Die ersten Sätze schockierten mich, die nächsten ließen mich ungläubig schauen und die ungewollt vermittelte Verschlossenheit und Intoleranz, die man der Predigt entnehmen konnte, ließ mich vor Wut kochen. Kurz zusammengefasst: Der Vorarlberger Bischof wollte eigentlich den Wert der Nächstenliebe und der Religion preisen, verglich den röm.-katholischen Glauben mit einem großen Schatz, plädierte für ein Miteinander und mehr Solidarität. Nichts Außergewöhnliches. Dann packt er aus: Heidentum und die „Jugend von heute” in einem Satz, eine Forderung nach passivem Kampf gegen Ungläubige durch Missionierung in jedem Haus. Fernsehen, Computer und Medien stellte er als Feind an die Mauer. Er drückte sich sehr vorsichtig aus, ließ es zwischen den Zeilen aber trotzdem richtig krachen. Dem alten Publikum schien es zu gefallen. Genau das, was sie hören wollten. In diesen Minuten starb in mir ein Teil meines bis dato festsitzenden Glaubens und Vertrauens an und in die römisch-katholische Kirche. Seit diesem Tag kann und will ich einfach nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vorher an die vom Christentum propagierte Offenheit und Nächstenliebe gegenüber aller Menschen dieser Welt glauben. Vorbei die Zeit der naiven Verteidigung meiner quasi „angeborenen” Weltsicht. „Ich weiss jetzt wieder, warum ich lange keinen Gottesdienst mehr besucht habe”, dachte ich mir im Zug sitzend bei der Fahrt zurück in die Redaktion. Einige Tage später sollte ich dann einen Artikel abgeben. Natürlich keine Kritik. Werbung für das Gebhardsfest und unseren Bischof sollte es werden. Für mich eine echt schwierige Aufgabe... Hier das Ergebnis: "Unser Glaube ist ein Schatz" (PDF)  
Zu starr? Meiner Meinung nach sollte die katholische Kirche offen auf die Wünsche und Bitten ihrer Schäfchen eingehen. Zu was braucht es denn bitte eine riesig inszenierte Show, ein starr vorgegebenes Stehen und Sitzen, ja sogar Knien? Ich denke, dass ich für viele meiner Altersgenossen spreche, wenn ich sage, dass man auch ohne den sonntäglichen Kirchenbesuch an eine höhere Macht (in welcher Gestalt auch immer) glauben kann, ja gar ein gläubiger und guter Christ sein kann. Einige Vertreter der Kirche sehen das aber völlig anders. Wer heute nicht in die Kirche geht, gilt im Vatikan als Heide und tendiert in Richtung Hölle. Muss das wirklich sein? Ich will in keinster Weise die vielen guten Taten der Kirche in Frage stellen. Eine Religion der Liebe und Anteilnahme ist prinzipiell nichts Schlechtes. Der Zwang zur Religion im Kindesalter, die unendlich konservativen Ansichten zu Abtreibung und Verhütung und die Verhetzung von Nicht-Gläubigen ist mir aber ein Gräuel.  
Glaube und Religion versus Kirche? Kirche ist die Organisationsform des Glaubens und könnte mit einer seit Jahrhunderten gut funktionierenden PR-Agentur umschrieben werden. Vielleicht die effizienteste der letzten 2000 Jahre? Definition von hopenet.ch: „Eine Kirche ist im biblischen Sinne die Gemeinschaft gläubiger Christen, die zusammen ihren Gott feiern und eine Begegnung mit ihm suchen.” Gott „feiern”? Hallo? Wo steigt die große Sause? Die hochgelobten Feiern der katholischen Kirche gleichen oft fromm heruntergeleierten Trauerspielen, die eher deprimieren und Schuldgefühle wecken. Wo bitte ist die Party? Warum eigentlich Blut trinken? Hyperautoritäre Macht und Gehirnwäscheverein? Nein danke, traurig in den Boden schauen und für nichts und wieder nichts büßen ist nichts (mehr) für mich... Tausende Kirchenaustreter suchen nach dem Zeitgemäßen. Glaube funktioniert auch ohne Kirche und „umfasst eine Grundhaltung des Vertrauens und der (nicht immer vorbehaltlosen) Bejahung gegenüber Wesen, Werten und Zielen. Dies schließt normalerweise die Bejahung bestimmter religiöser oder auch ideologischer Aussagen ein, erschöpft sich aber nicht darin. In den Offenbarungsreligionen bezeichnet Glaube die innere Haltung eines religiösen Menschen.” (Vgl. Wikipedia) Für mich persönlich hat Glauben übrigens sehr viel mit Selbstvertrauen zu tun. Religion wiederum ist die „kodifizierte und/oder auf Überlieferung beruhende Kult-/Glaubenspraxis und -auslegung, ein Glaubenssystem, das auf eine Wirklichkeit außerhalb des Menschen hinweist, die Grundlage des Weltverständnisses und der Ethik des religiösen Menschen ist.” (Vgl. Wiktionary)  
Glaube und Religion sind
- wie ich verstehe -
auch ohne Kirche existent.
Pressespiegel zur Kritik der letzten Tage an der katholischen Kirche: Bischofsernennung bewegt Katholiken | Besorgniserregende Vorgänge | Bischof Wagner: ,Homosexuelle heilbar' | Vatikan verärgert Gläubige | Der Irrtum der päpstlichen Unfehlbarkeit | Papst holt Lefebvre-Bischöfe in katholische Kirche zurück - darunter ein Holocaustleugner | Katholische Fundamentalisten drohen Papstkritiker mit dem Tod | Der römische Eklat | Vatikan stellt klar: Williamson muss alles zurücknehmen Mein Glaube in die Kirche wird dadurch nicht unbedingt gestärkt. Momentan bin ich dank Ausbildung ja noch vom Kirchenbeitrag befreit. Spätestens wenn dem nicht mehr so ist, werde ich einen KIRCHENaustritt in Erwägung ziehen.  
Fazit Kirche, Glaube und Religion sehe ich keineswegs als unnütz oder schlecht, eine Reform der dahinterstehenden Institutionen und ein Überdenken manch erschreckend erzkonservativer Weltanschauung würde ich aber ausdrücklich begrüßen. Und scheiß auf Religionskriege! Ich glaube an den Glauben, nicht aber an die "heilige" katholische Kirche. Und trotz allem bete ich hin und wieder. Ich, der Heide, der den Messbesuch scheut und sich langsam für andere Religionen öffnet. Amen.  
Link: Religionen dieser Welt (Wiki) Vorschläge und Kommentare anyone?  
Stefan G. Meier (röm-kath.)


Artikel erstellt am 08.02.2009 um 21:46 Uhr // 1624 Views





SHARE
in your face

WAS SAGST DU?

ANMELDEN UND KOMMENTAR SCHREIBEN...






12 Kommentare zu diesem Beitrag


Herzlichen Glückwunsch du bist gerade zum Protestanten geworden. Willkommen in der Freiheit wo erst Gott dann der Mensch und dann die Kirche kommt.
08.02.2009 um 22:25  

ich persönlich wurde nicht im geringsten religiös erzogen, meine eltern ließen mir aber diesbezüglich jegliche freiheit. ich kann wahrscheinlich an zwei händen abzählen, wir oft ich auf einer kirchenbank gesessen habe, was in einer gemeinde wie kremsmünster, mit dem mächtigen benediktinerstift wahrscheinlich der ungewöhnlichere weg ist. tatsächlich wurde meine familie von den anderen bewohnern unseres hauses schief angesehen, für mich ein ausdruck unglaublichen kleinbürgertums. ich stellte mir immer die frage, warum die menschen in die kirche rennen, dort zwei stunden ihr hirn ausschalten, um danach in der schank ein paar bier zu kippen. für mich ist religion/glaube und die institution kirche streng voneinander zu trennen (für den menschen selber und unbedingt für die gesellschaft und den staat). mit der organisation katholische kirche habe ich längst abgeschlossen, nächste woche werde ich aus der kirche austreten. ich trage diesen gedanken schon einige jahre mit mir herum, die jüngsten entwicklungen bieten sich für einen austritt perfekt an, da jeder austritt ein zeichen setzt. woran man glauben will, ist jedermanns eigene sache, aber eine organisation zu unterstützen, die seit über 2000 jahren mehr als fragwürdig agiert hat und beharrlich im vorgestern bleibt, kommt für mich nicht mehr in frage.
08.02.2009 um 22:44  

stefan, du triffst mit deinen worten absolut mitten ins herz! ich finde mich in fast allen zeilen wieder. meinen absoluten respekt für die ehrlichkeit, den mut und die professionelle aufarbeitung!
09.02.2009 um 11:06  

heikles thema man! ich glaube der grund warum es uns zu trocken wirkt ist das kaum interpretiert wird sondern vielmehr zitiert. die schrift wird vorgelesen und der rest des ablaufes hat irgendwo auch seine gründe... man muss aber sagen das die interpretation eigentlich am messbesucher liegt! da der sinn hinter jeder lesung mehreres und sogar für jeden etwas anderes bedeuten kann! man hat während den anderen "rhyten" die da so ablaufen genug zeit sich zu überlegen was die lesung für einen selber bedeutet und mehr noch, was man anderst gemacht hätte, hätte man vorher schon so gedacht. das hilft den menschen sehr sich ihre prinzipien zu stecken - neu zu überdenken... das knien steht für die reue - wir sind jung, wir bereuen vlt noch nicht allzuviel, was aber ist mit den älteren kalibern, bereuen die vlt schon etwas mehr? klar ist das der liebe herr fische - ignorant seines zeichens - nicht damit rechnen darf, die jetzt jungen menschen für die jugend oder die späteren jahre für die kirche begeistern kann wenn er sie/uns als haiden bezeichnet. Das brechen des "leibes" und das trinken seines "blutes" sind symobolisch wichtige pfeiler der kirche... DIE nachricht christi, das er ein teil von uns allen ist, auch wenn uns diese symbolik bereits zum hals heraus hängt, verfehlt sie ihren sinn nicht! zusammengefasst ist die kirche heute wirklich nichts für junge menschen und wohin soll man die umstrukturierung gestalten ohne sie alten menschen zu schockieren? und was die betriffr denke ich das sich alte menschen in der messe sehr wohl fühlen, mit einem schön klingenden chor und menschen hinter und vor sich denen man die hände schütteln und sich mit ihnen nach der messe unterhalten können. ich muss ehrlich sagen ich bin mir selber nicht ganz einig darüber, was glaube ist und was in seinem sinne sinnvol für die kirche ist... was ich für mich aber weiss ist das sich die vertreter der kirche immer mehr vom Glauben und dessen sinn entfernen!
10.02.2009 um 10:08  

servus stefan, wenn ich dich so lese, respekt! und - klar - mehr davon! ich finde nach wie vor, dass du ein ziemlich begabter schreiber bist. deine geschichte ist jedenfalls gut finde ich, und wenn du sie auf 900 zeichen reduzierst, könnte ich mir überlegen, sie im kirchenblatt zu bringen - wäre doch lustig ? odr? freue mich, von dir zu hören oder zu lesen... servus walter-B: ps: hast unsere neue homepage schon geklickt...http://www.kath-kirche-vorarlberg.at
10.02.2009 um 19:45  

Hallo Stefan, zuerst einmal danke für deine Schilderung, wie du unsere Pfarrgemeinde erlebt hast und hoffentlich immer noch erleben kannst, wenn du zuhause in Göfis bist. Ich kann deine Gedanken und auch deine Enttäuschung sehr gut nachvollziehen und verstehen. Auch mir als Pfarrer in dieser lebendigen Gemeinde kommen oft "unchristliche" Gedanken, wenn ich an verschiedene Aktionen in unseren Leitungsgremien denke. Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet die verantwortlichen Leiter in den verschiedenen Ämtern der Kirche - dies allein müsste dringend im Sinn der Bibel überdacht und reformiert werden - immer wieder und vor allem in immer kürzeren Abständen praktische Demontage der Kirche betreiben. Dass dabei viele - und leider viele junge - Menschen dieser Kirche den Rücken kehren, ist für mich voll verständlich. Es gibt aber ein Slogan, der vielleicht gerade in dieser Situation wieder gewicht bekommt: Nicht austreten, sondern auftreten. Ich kann alleine - auch als Pfarrer - nichts ändern. Aber gemeinsam ist es möglich, immer wieder neu die Missstände anzuprangern und Reformen zu fordern und solange die noch nicht getan sind, wenigstens auf eine, uns passende Art, unseren Glauben zu leben und auch zu feiern. Wenn ich nicht viele engagierte und auch kritisch denkende Menschen um mich und hinter mir wüsste, hätte ich wohl schon längst mein sprichwörtliches Handtuch geworfen. Wenn du Lust und Zeit hast, lass dich mal sehen, würde gerne mit dir von einer Kirche träumen, in der wir uns wohlfühlen könn(t)en. Liebe Grüße aus dem Pfarrhaus Norman
12.02.2009 um 09:30  

Der Vergleich mit einer PR-Agentur mag weit hergeholt sein, nicht aber, wenn den Glaube an Gott intensiv lebt. Dies scheint bei dir der Fall sein, ich kann dir nur von einer anderen Möglichkeit, zu "glauben", erzählen. Ich selbst wurde mehr oder weniger religiös erzogen, ab elf, zwölf Jahren durfte ich Sonntags ausschlafen und ein längeres Frühstück vor dem Fernseher genießen (was des Bischof's Aversion gegenüber den neuen Konvergenzen vielleicht begründet). Seitdem kann auch ich meine Kirchenbesuche an zwei Händen eines Sägewerkmitarbeiters abzählen, der letzte jedoch bestärkte meinen Glauben - es war die Beerdigung meines Opas vor vierzehn Monaten. Dabei war es aber nicht ein personifiziertes Symbol, ein göttliches Wesen, ein Sinnbild oder eine Führerfigur, die seit zweitausend Jahren mit zwei Hand voll Geboten versucht, Menschen auf einen Pfad des Miteinander statt Gegeneinander führen, sondern die Idee selber. Leider übertrifft sich momentan die katholische Kirche weltweit selbst mit Aussagen, die weit entfernt von Toleranz und Nächstenliebe sind. Auch ich erwäge nach Ausbildungsabschluss einen Kirchenaustritt. Der Gedanke an die rege Anteilnahme an Opas Beerdigung spricht zwar dagegen, aber die derzeitige Entwicklung der kath. Kirche lässt jegliche Hoffnung auf Renovierung verblassen. Ich hab deinen Bericht sowie die Reaktionen dazu aufmerksam rezipiert, in meinem Fazit möchte ich mich der Ansicht von Norman anschließen: "Nicht austreten, sondern auftreten." Wie bei jeder Veränderung, Revolution oder ähnlichen braucht es Impulse. Dass diese wohl kaum von den mächtigeren Kirchenmitgliedern kommen werden, dürfte klar sein, da es den Anschein hat, dass höhere Ämter nicht-konservativ denkenden Geistlichen verwehrt sind. Was in deiner Gemeinde stattfindet (zumindest hab ich einen ersten Eindruck von deiner Schilderung und ich denke, Norman ist euer Gemeindepfarrer), finde ich bemerkenswert. MAXIstrant hört sich an, wie der neueste Streich einer innovativen, gut laufenden PR-Agentur oder Ideenfabrik. Und sowie ich dich kenne, ist dies nicht der einzige Kasus, der für eine zufriedene und vom christlichen Grundgedanke überzeugte Gemeinde sorgt. Schade, dass solche Entwicklungen das Ende ihrer Berichterstattung in Lokalnachrichten finden.
12.02.2009 um 17:50  

@Norman: Ich war sehr positiv von ihrem Kommentar überrascht, er brachte micht dazu, eingehender über meine Erfahrungen mit der Kirche und ihren Vertretern nachzudenken. In meinem Heimatort Kremsmünster ist es nicht schwer, mit Priestern in Kontakt zu kommen und so habe ich schon hochinteressante Gespräche geführt, die sich pft auch sehr kritische entwickelten. Ich habe festgestellt, dass es junge Menschen gibt, die ins Kloster eintreten und dieses umkrempeln. Jungen Männer, die weltoffen und realistisch sind und den Menschen dies auch vermitteln. Männer, die den Jugendlichen nicht erzählen, Kondome wären verboten, Enthaltsamkeit sei die einzige Verhütung. Es sind aber leider zu wenige, mit zu wenig Einfluss. Ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass die Kirche viel Gutes tut. Aber wenn sich die Spitze weiter weigert, im 21. Jahrundert anzukommen, wird die Kirche weiter schrumpfen. Und wie soll ich "auftreten statt austreten"? Für mich stellt momentan ein Austritt die einzige Möglichkeit dar, ein "schmerzendes" Zeichen zu Setzen.
13.02.2009 um 13:05  

Sehr interessante Debatte. Ich bin mir selbst nicht ganz sicher, wie ich nun zur Kirche und ihrer Haltung stehen soll. Die an sich konservative Haltung ist ja der Kirche Grundmanifest und jede daraus entstehende Reform und Aufweichung dieser Inhalte sollte sie sich auch gut überlegen. Katastrophale Äußerungen wie zur "Heilbarkeit der Homosexualität" diskreditieren andererseits natürlich die Arbeit, die in den kleinen Gemeinden oft geleistet wird. Mir persönlich stellt sich die Frage, wie das Individuum ohne ein kirchliches Dogma auskommen will. Auch wenn Glaube rein gar nichts mit Manifestation in Form von Gottesdienst, Beichte oder der sonntäglichen Agape zu tun hat, so ist diese Institution eine zutiefst gesellschaftlich verankerte und zugleich kollektiver Leideplatz und Ort der Begegnung. Die heiligen Sakramente sind da wohl noch das geringste Problem und auf die Hochzeit in der Kirche können auch jetzt schon viele verzichten, so schön die auch sein gewesen muss. Wo findet aber der einfache Bürger Rat und neue Hoffnung, wenn er verzweifelt ist? Ich denke im Gespräch mit seinem Pfarrer oder einem Seelsorger kann er sie finden. Stefan spricht im Zusammenhang mit dem Glauben von Selbstvertrauen, nur wieviele können aus diesem Selbstvertrauen schöpfen, und dass aus ihrem bloßen Geiste heraus? Ich stehe der Kirche auch kritisch gegenüber, und einige Personen finde ich unvertretbar, letztendlich geht es vielleicht aber nicht unbedingt dermaßen um die Äußerungen aus Rom, auch wenn sie richtungsweisend für die Entwicklung der Kirche stehen. Die Kirche bietet Halt und Zuflucht, einen Austritt kann ich mir (noch) nicht vorstellen, bei aller Rebellion und Kritik der Jugend wird das Älterwerden diese Einstellung unterstreichen.
13.02.2009 um 16:31  

Dieser Tage in Vorarlberg: "Der Feldkircher Bischof Elmar Fischer hat sich am Donnerstag für seine Aussagen zum Thema Homosexualität entschuldigt und sie indirekt zurückgenommen. Bischof Fischer entschuldigt sich. "Ich ging von einem offenkundig nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur aus", ließ Fischer in einer Aussendung mitteilen. Er habe mit seinen Worten lediglich ausdrücken wollen, "dass man Bischof Wagner nicht nur verurteilen, sondern auch seine pastoralen Fähigkeiten sehen sollte", so der Bischof. Fischer hatte am Mittwoch für große Aufregung in Kirchenkreisen und Schlagzeilen in den Medien gesorgt, als er in einem Rundfunk-Interview den neuen Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner in seiner Haltung zur Homosexualität unterstützt hatte. Wie Wagner bezeichnete Fischer Homosexualität als heilbar und verglich sie mit "psychischen Erkrankungen" wie Alkoholismus. In seiner Einschätzung berief sich Fischer dabei auch auf Literatur, "die das sagt". "Es lag mir fern, mit meinen Aussagen Menschen zu verletzen", entschuldigte sich nun der Bischof. In seinem Amt als Diözesanbischof sei es ihm ein Anliegen, jungen Menschen auf dem Weg in ein erfülltes, segensreiches Beziehungsleben Wegbegleiter zu sein. "Die Beziehungsfähigkeit in der heutigen Gesellschaft ist von großer Bedeutung. Dazu braucht es bleibende Werte, die im Glauben erfüllt werden. Aus diesem Grund möchte ich mich in aller Form für die gestrigen Aussagen entschuldigen", sagte Fischer. Quelle: http://www.vol.at/news/vorarlberg/artikel/bischof-fischer-entschuldigt-sich/cn/news-20090212-11532814/gemeinde/feldkirch
14.02.2009 um 13:56  

[...] dasDenkfabrik.at wrote an interesting post today on Reform: Ich, die Kirche und mein GlaubeHere’s a quick excerpt … dnisses und der Ethik des religiösen Menschen ist. “ (Vgl. wiktionary - http://de. wiktionary…. [...]
16.02.2009 um 21:48  

dass in der kirche von veralteter literatur ausgegangen wird, ist aber auch nicht neu ...
18.02.2009 um 00:12