FLUT Zweiter Teil, Folge 10/49
Es war, als hätte sie die Tür zu einer anderen, kalten Welt geöffnet. Heulend trieb der Wind eiskalten Regen zu ihr herein. Linda hielt die Hand vors Gesicht und versuchte gleichzeitig draußen etwas zu erkennen.
Zuerst konnte sie überhaupt nichts sehen, aber dann zeichnete sich dort unten vor ihrem Fenster, einzig erhellt durch das schwache Licht, dass durch die die dicken Vorhänge des Wohnzimmers nach draußen drang, die deutliche Silhouette einer menschlichen Gestalt ab.
Das da unten mag ein Mann sein, aber er kann doch unmöglich…
Die Gestalt trug einen Regenmantel mit Kapuze, die sie sich tief ins Gesicht gezogen hatte. Daran war weiter nichts ungewöhnlich. Aber für den Bruchteil einer Sekunde war es Linda so vor gekommen, als würde sie nicht dort unten stehen, sondern schweben. Wenige Zentimeter über dem Boden, aber trotzdem mit beiden Füßen in der Luft. Menschen konnten nicht schweben – gegen den Wind.
Linda! rief die Gestalt unter ihrem Fenster. Linda dachte, dass die Stimme nur in ihrem Verstand war, obwohl sie sie mit eigenen Ohren zu hören schien. Linda, wie hübsch du bist!
Und in dieser Stimme schwang etwas so Böses, so Schreckliches mit, dass sie auf der Stelle das Fenster zuschlagen wollte … aber sie blieb wie angewurzelt stehen, konnte sich nicht rühren.
Endlich sehen wir uns wieder, ich dachte schon, du wärst mir entkommen…
„Wer bist du?“, flüsterte sie hinaus in den Regen.
Die Gestalt kam näher.
Wir kennen uns gut. Du musst mich hineinlassen.
Trotz ihrer Angst stellte Linda fest, dass sie diese Gestalt hineinlassen wollte. Er war die Antwort auf alle ihre Fragen, das war ihr plötzlich klar. Wir hypnotisiert ging sie einen Schritt nach vorne und steckte den Kopf hinaus. Sie spürte weder die Nässe noch die Kälte. Ihre ganze Aufmerksamkeit gehörte dem Mann, direkt unter ihr. Dass er ein Mann war, konnte sie nun erkennen, obwohl sein Gesicht weiter im Schatten seiner Kapuze verborgen blieb.
Lass mich zu dir herein…
Langsam streckte sie ihre Hand aus.
Was geschehen wäre, wenn es in diesem Augenblick nicht an ihre Zimmertür geklopft hätte, wusste Linda nicht … und sie wollte es auch gar nicht wissen. Aber es klopfte, und die Gestalt direkt unter ihrem Fenster sah auf, und Linda sah ihr Gesicht.
Erschrocken klammerte sie sich am Fenstersims fest, um nicht ohnmächtig zu werden.
Das Gesicht des Mannes hatte tiefe Falten, die Haut war wie Pergament, die Wangen verfault, das Fleisch verwest. Die Haut auf der Stirn war aufgerissen, aber nicht blutig. Tote Lippen grinsten an einem Maul, dessen Zähne scharf und gelb waren. Das Zahnfleisch war runzlig und schwarz. Linda konnte keine Augen sehen, aber etwas funkelte tief in diesen eingefallen schwarzen Löchern.
Lass mich herein Linda…
Wieder klopfte es. Diesmal stärker.
„Linda!“ Das war die Stimme ihres Vaters. Gedämpft drang sie zu ihr durch, wie die Realität in den Traum.
Linda, beeil dich. Du darfst nicht hier sein!
Plötzlich quollen ihr heiße Tränen aus den Augen. Langsam kam der Mann näher. Kam zu ihr herauf, schwebte zu ihr nach oben, seine uralten, versteinerten Fingernägel nach ihr ausgestreckt. Nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt. Sie konnte plötzlich den unangenehm süßlichen Geruch von verschimmelten Zwiebeln riechen und wusste, in wenigen Augenblicken würden sich diese fleischlosen Hände um sie legen.
Du kannst mir nicht entkommen, du kannst dich niemals vor mir verstecken. Komm mit mir mit, gleich, lass mich zu dir herein…
Dann sprang die Tür hinter ihr auf.
„Linda, was tust du denn da?“ Ihr Vater packte sie grob an den Schultern, zog sie vom offenen Fenster weg und schloss es. Dann erst sah er ihr Gesicht.
„Mein Gott!“ Seine Stimme wurde mit einem Mal sanft und besorgt. Sie klang plötzlich genau so, wie damals, als sie krank in ihrem Bett gelegen war.
„Was ist denn los?“
„Da draußen!“, flüsterte sie.
Schnell war ihr Vater am Fenster.
„Was soll da sein.“
„Da steht…“ Sie blickte ihm über die Schulter und war nicht einmal überrascht. Da draußen war niemand. Natürlich. Wie auch? Schwebende Männer gab es nicht!
„Was soll da sein?“
Linda gab ihm keine Antwort. Schluchzend warf sie sich um seinen Hals. In ihrem Kopf hallten die Worte nach, als würden sie ihr eigenes Echo besitzen.
Du kannst mir nicht entkommen, du kannst dich niemals vor mir verstecken.
Zuerst konnte sie überhaupt nichts sehen, aber dann zeichnete sich dort unten vor ihrem Fenster, einzig erhellt durch das schwache Licht, dass durch die die dicken Vorhänge des Wohnzimmers nach draußen drang, die deutliche Silhouette einer menschlichen Gestalt ab.
Das da unten mag ein Mann sein, aber er kann doch unmöglich…
Die Gestalt trug einen Regenmantel mit Kapuze, die sie sich tief ins Gesicht gezogen hatte. Daran war weiter nichts ungewöhnlich. Aber für den Bruchteil einer Sekunde war es Linda so vor gekommen, als würde sie nicht dort unten stehen, sondern schweben. Wenige Zentimeter über dem Boden, aber trotzdem mit beiden Füßen in der Luft. Menschen konnten nicht schweben – gegen den Wind.
Linda! rief die Gestalt unter ihrem Fenster. Linda dachte, dass die Stimme nur in ihrem Verstand war, obwohl sie sie mit eigenen Ohren zu hören schien. Linda, wie hübsch du bist!
Und in dieser Stimme schwang etwas so Böses, so Schreckliches mit, dass sie auf der Stelle das Fenster zuschlagen wollte … aber sie blieb wie angewurzelt stehen, konnte sich nicht rühren.
Endlich sehen wir uns wieder, ich dachte schon, du wärst mir entkommen…
„Wer bist du?“, flüsterte sie hinaus in den Regen.
Die Gestalt kam näher.
Wir kennen uns gut. Du musst mich hineinlassen.
Trotz ihrer Angst stellte Linda fest, dass sie diese Gestalt hineinlassen wollte. Er war die Antwort auf alle ihre Fragen, das war ihr plötzlich klar. Wir hypnotisiert ging sie einen Schritt nach vorne und steckte den Kopf hinaus. Sie spürte weder die Nässe noch die Kälte. Ihre ganze Aufmerksamkeit gehörte dem Mann, direkt unter ihr. Dass er ein Mann war, konnte sie nun erkennen, obwohl sein Gesicht weiter im Schatten seiner Kapuze verborgen blieb.
Lass mich zu dir herein…
Langsam streckte sie ihre Hand aus.
Was geschehen wäre, wenn es in diesem Augenblick nicht an ihre Zimmertür geklopft hätte, wusste Linda nicht … und sie wollte es auch gar nicht wissen. Aber es klopfte, und die Gestalt direkt unter ihrem Fenster sah auf, und Linda sah ihr Gesicht.
Erschrocken klammerte sie sich am Fenstersims fest, um nicht ohnmächtig zu werden.
Das Gesicht des Mannes hatte tiefe Falten, die Haut war wie Pergament, die Wangen verfault, das Fleisch verwest. Die Haut auf der Stirn war aufgerissen, aber nicht blutig. Tote Lippen grinsten an einem Maul, dessen Zähne scharf und gelb waren. Das Zahnfleisch war runzlig und schwarz. Linda konnte keine Augen sehen, aber etwas funkelte tief in diesen eingefallen schwarzen Löchern.
Lass mich herein Linda…
Wieder klopfte es. Diesmal stärker.
„Linda!“ Das war die Stimme ihres Vaters. Gedämpft drang sie zu ihr durch, wie die Realität in den Traum.
Linda, beeil dich. Du darfst nicht hier sein!
Plötzlich quollen ihr heiße Tränen aus den Augen. Langsam kam der Mann näher. Kam zu ihr herauf, schwebte zu ihr nach oben, seine uralten, versteinerten Fingernägel nach ihr ausgestreckt. Nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt. Sie konnte plötzlich den unangenehm süßlichen Geruch von verschimmelten Zwiebeln riechen und wusste, in wenigen Augenblicken würden sich diese fleischlosen Hände um sie legen.
Du kannst mir nicht entkommen, du kannst dich niemals vor mir verstecken. Komm mit mir mit, gleich, lass mich zu dir herein…
Dann sprang die Tür hinter ihr auf.
„Linda, was tust du denn da?“ Ihr Vater packte sie grob an den Schultern, zog sie vom offenen Fenster weg und schloss es. Dann erst sah er ihr Gesicht.
„Mein Gott!“ Seine Stimme wurde mit einem Mal sanft und besorgt. Sie klang plötzlich genau so, wie damals, als sie krank in ihrem Bett gelegen war.
„Was ist denn los?“
„Da draußen!“, flüsterte sie.
Schnell war ihr Vater am Fenster.
„Was soll da sein.“
„Da steht…“ Sie blickte ihm über die Schulter und war nicht einmal überrascht. Da draußen war niemand. Natürlich. Wie auch? Schwebende Männer gab es nicht!
„Was soll da sein?“
Linda gab ihm keine Antwort. Schluchzend warf sie sich um seinen Hals. In ihrem Kopf hallten die Worte nach, als würden sie ihr eigenes Echo besitzen.
Du kannst mir nicht entkommen, du kannst dich niemals vor mir verstecken.
Artikel erstellt am 09.08.2010 um 23:01 Uhr // 2865 Views
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