Das Wort zum Sonntag: Wellness-Glaube light
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Das Wort zum Sonntag: Wellness-Glaube light

Unter der Überschrift "Verärgerte gehen einfach weg" äußert sich der Feldkircher Pastoralamtsleiter Dr. Walter Schmolly im Vorarlberger Kirchenblatt vom 17. Jänner zur Zahl der Kirchenaustritte 2009. In Vorarlberg gab es im Vergleich zum Jahr 2008 um 40 Prozent mehr Kirchenaustritte. Zeit für eine Veränderung?

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Moderne Marienikonographie? (via Klaus Fleischhacker)
"Die Spitze der Austrittswelle war in den ersten drei Monaten", so Dr. Schmolly, Jahrgang 1964. Kein Wunder, gab es in dieser Zeit doch eine "heftige öffentliche Debatte über die Rücknahme der Exkommunikation für vier Lefebvre-Bischöfe, zusätzlich angeheizt von der unzulässigen und beschämenden Holocaust-Verharmlosung durch Bischof Williamson [...] und der Ernennung eines Weihbischofs für die Diözese Linz. Die Verärgerung über diese Vorgänge [...] war offenbar Grund genug, dass so viele Leute gegangen sind." Laut Schmolly - und da hat er bestimmt recht - hängt das damit zusammen, dass die Menschen auch im religiösen Bereich wesentlich mobiler geworden sind. "Auf institutionelle Angebote - ob sie nun von Parteien, Gewerkschaften oder der Kirche kommen - greifen sie nur dann zu, wenn sie diese brauchen. [...] Etwa auf kirchliche Feiern zu Lebenswenden oder auf religiösen Zuspruch in Krisen." Ja, so etwas wie On-Demand-Kirche wäre gut. So weit, so gut. Ich weiß, dass viele Kirchengemeinden und Arbeitskreise mit den übergestellten Oberhäuptern nicht zufrieden sind, ihnen aber schlichtweg die Hände gebunden sind. Ich weiß auch, dass nicht alle Kirchgänger erzkonservativ sind, dass manche Predigten liberaler sind, als man vermuten mag. Ich weiß auch, warum die Kirchenaustritte steigen. Weil Kritik an der Kirche nicht erwünscht ist, größtenteils auf einem veralteten Top-Down-Kommunikationsmodell beharrt wird. Deshalb hat mich dann auch folgende Aussage im Artikel positiv überrascht. Zitat:
"Wir kommen um eine gut gemachte Verheutigung, die keinen Wellness-Glauben light meint, nicht herum."
PAL Dr. Walter Schmolly
Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung Wie jetzt nun? Wellness-Glaube light ja oder nein? Seht ihr nicht, dass sich die Menschen gerade einen solchen wünschen? Unzählige sind gläubig, sind in ihren Grundfesten Christ und besuchen doch nicht die Kirche. Vielleicht ja, weil man als Kirchgangsverweigerer als Heide dargestellt wird. Oder weil die Schäfchen die Aussagen und Empfehlungen ihres Papstes verabscheuen. Da Kritik in der katholischen Kirche vielerorts - nicht überall - auf taube Ohren stößt und/oder den wenigen Hörenden die Hände gebunden sind, kommt eine Frustration auf, mit der die Diözesen jetzt kämpfen müssen. Die Sache mit der Kritik Will ich etwas erreichen, mich verbessern oder als katholische Kirche gar eine Reform anstreben (utopisch?), muss ich zuerst auf die Schreie meiner Schäfchen hören. Und auch auf die, die nicht oder nur selten eine Kirche von innen sehen. Die, die trotzdem brav Kirchensteuer zahlen - weil sie sonst Angst haben, in die Hölle zu kommen. Oder, dass sie irgendwann einfach nur verscharrt werden. Und auch die, die bald austreten wollen. Die, die noch keinen Kirchenbeitrag zahlen - es in Zukunft aber müssten. Klar gibt es Bemühungen seitens der Kirche einen Schritt auf Jugendliche zuzumachen, ob mit christlichen Rockkonzerten, Weihnachtsparty oder mit überarbeiteten Internetauftritten, wie der der Katholischen Kirche Vorarlberg. Letzterer hat übrigens keine Kommentarfunktion. Hat die katholische Kirche Angst vor Kritik oder wäre es so viel Aufwand, die Kommentare zu moderieren und zu verarbeiten? Will sich die Metainstitution Kirche als Ganzes wieder in Richtung Puls der Zeit bewegen, hat sie erstens einen langen steinigen Weg der Imageaufbesserung (Prozession, Pilgerreise, whatever) vor sich, muss zweitens auch das Feedback von systemkritischen Gegnern ernstnehmen und drittens offener für neue, zeitgemäße Ansätze werden. Nächstenliebe leben. Einmal Wellness-Glaube light, bitte! Meine Einstellung habe ich vor einem Jahr im Artikel "Reform: Ich, die Kirche und mein Glaube" niedergeschrieben. Daran hat sich nichts geändert. Links Katholische Kirche Vorarlberg kirchenblatt.at Laizismus-Initiative Österreich AKS: Hände falten, Goschn halten! "Verärgerte gehen einfach weg" von Hans Baumgartner Fragen an dich Wie unterscheidest du zwischen Religion, Kirche und Glauben? Zahlst du Kirchenbeitrag? Warum ja, warum nein? Sollte man dafür zahlen müssen, um ein guter Katholik zu sein? Wann warst du das letzte mal beichten? Was sollte sich ändern? Frage an die Katholische Kirche Vorarlberg Wieso steht in der Dachzeile des Artikels "Kirchenaustritte sind im Jahr 2009 um mehr als 30 Prozent angestiegen", wenn es laut beiliegender Infografik 40,3 Prozent sind? Scheinheiligkeit? Zitat von Paul Watzlawick
Stefan G. Meier (hat schon lange keine Messe mehr besucht)

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Artikel erstellt am 24.01.2010 um 19:23 Uhr
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