Außerdem stinkt der Standard!

Während einer Zugfahrt von Wien nach Oberösterreich ereignete sich folgendes grob, aber sinngemäß wiedergegebene Gespräch, das mich einmal mehr über die österreichische Zeitungslandschaft sinnieren lies.
Person1: Willst du das Profil mitnehmen, mein Papa hats sowieso abonniert. Person2: Passt schon, meine Eltern lesen eh nur Krone. Person1: Uh, mein Publizistikstudentenherz blutet. Person2: (lacht) Ja ist schon schlimm, was liest du normal so? Person1: Standard! Person3: (mischt sich ein) Also Österreich ist ja wohl noch schlimmer als die Krone! Person1 und 2 geben Person3 recht. Person3: Wiener Zeitung ist die beste Tageszeitung. Aber der Standard, das ist ja eine ganz furchtbare Zeitung. So viele Rechtschreib- und Grammatikfehler, grausam. Person1: Also das wär mir noch nie aufgefallen, zumindest nicht öfter, als bei anderen Zeitungen. Person2: Mir eigentlich auch nicht. Person3: Na bitte! Also, da machens im ersten Absatz dieses, na wie heißts denn, na wenns die Geschlechter mal anpassen und dann wieder nicht. Furchtbar ist das, da wird mir ganz schlecht. Und immer verweisens auf einen Standard Artikel von vor 3 Tagen. Ich les den ja nur wenns ihn am Sonntag gratis gibt, wer soll sich denn da bitte noch auskennen? Person1: Aha. Also ich behaupte, ganz gut Deutsch zu beherrschen, mir sind derartige Fehler noch nie aufgefallen. Reden wir sicher von der gleichen Zeitung? Person3: Ja sicher! Und außerdem stinkt der Standard! Ganz widerlich, da könnt ich jedesmal speiben! Person1: (amüsiert) Verzeihen sie bitte, aber wenns die Zeitung sonntags aus den Straßenverkaufstaschen nehmen, da werdens halt mal feucht von der Witterung und parfümieren wernses wohl kaum?! Person3: Na also, des is einfach widerlich. Person1: Na bitte, wies meinen.
Person1: Ich, Person2: Ein Freund von mir, Person3: Eine unbekannte Mittfünfzigerin Ich war sehr amüsiert über die fehlende Argumentationskraft dieser Frau, die wahrscheinlich den „Standard” Sonntags klaut, wenn die Verkaufstasche am nächsten ist, aber das mag natürlich eine böse Unterstellung sein. Nachdem wir den Zug verlassen hatten beklagte ich mich lautstark bei meinem Freund über diesen, meiner Meinung nach völlig ungerechtfertigten Angriff auf meine persönliche Lieblingszeitung. Ja, ich „oute” mich hiermit als leidenschaftliche „Standard”-Leserin. Diese Tageszeitung erfüllt nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv alle Kriterien einer Qualitätszeitung- und die sind in Österreich dünn gesät. 1988 von Oskar Bronner gegründet ist der Standard neben der Presse die am höchsten subventionierte Zeitung Österreichs, aber nur die fünft größte mit einer Reichweite von rund 5 %. Allerdings erreicht die, einem Nachrichtenportal gleichende Online-Ausgabe der Zeitung, laut Österreichischer Webanalyse (ÖWA) vom Juni 2008, 1,2 Millionen Unique Clients pro Tag und liegt hiermit deutlich vor allen anderen österreichischen Nachrichtenportalen mit Ausnahme jenes des ORF. Ich persönlich informiere mich oft online, allerdings geht für mich nichts über die Printausgabe mit Kaffee und Zigarette. Ich möchte hier eine kleine Diskussion über die Zeitungslandschaft in Österreich und eure Lesegewohnheiten hervorrufen. Welche Tageszeitung, in Print- oder Onlineausgabe dient eurer Informationsbeschaffung und warum? Comments?


Artikel erstellt am 29.12.2008 um 16:21 Uhr // 387 Views





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15 Kommentare zu diesem Beitrag


Passt nicht genau, und trotzdem: Die "VN" (Vorarlberger Nachrichten) - eigentlich lesenswerter als die "Krone" - strotzt die letzten Tage nur so vor Fehlern. Vorgestern kam mir die von einer VN-Redakteurin geschriebene Rohfassung eines Artikels über meinen Vater in die Hand, geplant sehrwahrscheinlich für den Wirtschaftsteil. Ganz ehrlich: Ein durchschnittlicher Hauptschüler schreibt mit dem gleichen Sprachgefühl und gleich gut. Nun noch passend: Ohne den Standard gelesen zu haben (+ Kaffee!) geh ich selten ausser Haus. Person 3 liest sicher "Heute".
29.12.2008 um 21:23

die lektüre des monatsmagazins DATUM ( www.datum.at ) kann ich nur wärmstens empfehlen.
30.12.2008 um 00:39  

auch ich zähle mich zu den überzeugten standard-lesern. meist in der mittagspause in aller ruhe. vor kurzem hat mich jedoch eine eher beiläufige bemerkung einer freundin von mir (zumindest kurzfristig) zum nachdenken gebracht. als ich neben ihr den standard durchblätterte, erwähnte sie (eine äußerst links denkende und überzeugte junge frau), dass sie außerdem noch die presse lese. auf die frage weshalb, antwortete sie: "weil es besser ist, nicht nur eine zeitung zu lesen!" gleich dachte ich mir, dass sie eigentlich recht hat, da wir uns schon sehr von den meinungen und ansichten "unserer zeitung" bzw. deren redakteure beinflussen lassen. durch das lesen einer zweiten zeitung, bekommt man, glaube ich, einen gewissen abstand und es fällt leichter, sich eigene objektive meinungen zu bilden...
30.12.2008 um 13:30  

wie seht ihr das?
30.12.2008 um 13:31  

Wenn ich genug Zeit habe, vergleiche ich jeden Tag vier Zeitungen miteinander, auch wenn ich die anderen drei meistens nur durchblättere + Headlines lese. Größtenteils sind die Inhalte der Zeitungen ident oder ähnlich, lediglich der politische Blickpunkt ist ein etwas anderer. Interessant wirds dann, wenn verschiedene Zeitungen zum gleichen Thema vollkommen was anderes schreiben, andere Informationen liefern und verfälschen. Die Gleichheit der Inhalte ist übrigens auf APA und Reuters zurückzuführen. Bis jetzt war es so, dass uns gesagt wurde, über was wir zu reden und denken haben. Dank Internet wird es in Zukunft so sein, dass sich jeder selbst aussuchen kann, was er wissen will und was nicht.
30.12.2008 um 14:01  

sen standrad lese ich, andere zeitungen blättere ich durch. oft sind einfach interessante interviews in den verschiedenen zeitungen. selbst (oder gerade) die kronen zeitung blättere ich zum vergleich mit qualitätsjournalismus durch.
30.12.2008 um 17:07  

Schön wär halt eine Zeitung aus dem Ausland.
30.12.2008 um 18:43  

::: montags, new york times im standard natürlich wärmstens zu empfehlen, aber zeitaufwendig und anspruchsvoll.
30.12.2008 um 20:09  

i think, i speak english pretty well, but very often it's really hard for me to understand the whole story of those articles of the new york times in the standard...
31.12.2008 um 12:59  

just read between the lines ...
02.01.2009 um 21:06  

Die NYT-Beilage im Standard hat bei mir schon manche scheinbar festgefahrene Weltbilder (von hiesiger Presse vermittelt) zerstört. Gut so.
02.01.2009 um 21:17  

typisch ignorante österreicherin, die versucht sachen schlecht zu reden mit denen sie sich noch nicht beschäftigt hat (gratis zeitungen liest man halt nicht mit solcher inbrunst wie solche für die geld bezahlt wurde) +++ die SN gehört wohl auch zu den positiveren zeitungserscheinungen
05.01.2009 um 13:35  

eine wochenzeitung zur ergänzung ist meiner meinung nach sehr wichtig und total unterschätzt. Die Zeit ist meiner Meinung nach im deutschsprachigen Raum das non plus ultra, halt ohne wirklichen Österreich-Bezug... da gibts die etwas konservativere und meist auchbelanglosere Variante, die Furche (auch lesenswert meiner Meinung nach)
06.01.2009 um 17:16  

muss der dame zum teil recht geben. es sind entsetzlich viele fehler im standard. bekrittelt der standard übrigens auch selbst siehe zb "Viele gute Vorsätze" (Otto Ranftl/DER STANDARD, Printausgabe,3./4.1.2009), hab ich aber auch schon von einer standard lektorin vernommen. für eine qualitätszeitung "unmöglich" halte ich außerdem, wenn pr-texte unkommentiert im redaktionellen teil erscheinen. bin selbst eifriger online-standard leser, liebe die zeit und vergöttere le diplo lieben gruß vom ampelmann
06.01.2009 um 17:56  

@pkw'ler Die Furche kann ich auch empfehlen. Ich habe dort letzten Mai ein Praktikum gemacht und für einige Zeit die Zeitung sehr intensiv gelesen. Ausführliche Artikel und eben auch Hintergründe, die in APA-inspirierten Artikeln und Berichten kaum zu finden sind. Generell sind auch die Kino-Besprechungen sehr zu empfehlen (Otto Friedrich). Seit dem "Relaunch in Weinrot" hat sich da aber einiges geändert, unter anderem auch Personalrochaden (Ex-Österreich Chefredakteur Claus Reitan) und Abgänge ( Cornelius Hell http://derstandard.at/?url=/?id=1225359027255 ). Die neue Furche hab ich mir bis jetzt noch zu wenig angesehen. Überlege mir die Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu abonnieren. Unter der Woche komme ich sehr gut mit den Online-Auftritten der Zeitungen aus, da ich nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit habe zu lesen.
07.01.2009 um 11:28